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Bayreuth: Preisverleihung an „Code Pink“ wird nochmals den Stadtrat beschäftigen

Pressemeldung vom 11. Februar 2016, 10:16 Uhr

BAYREUTH – Die für Mitte April geplante Verleihung des „Wilhelmine-von-Bayreuth-Preises für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt“ durch die Stadt Bayreuth an die US-Bürgerrechtsbewegung „Code Pink“ ist in die Kritik geraten. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wird den Stadtrat, der die Auszeichnung auf Vorschlag der Universität Bayreuth im Juli 2014 beschlossen hatte, in der kommenden Woche nochmals mit der Thematik befassen. Die Oberbürgermeisterin wird dem Gremium vorschlagen, von der Preisverleihung Abstand zu nehmen.

Repräsentanten von „Code Pink“ wird eine staatsfeindliche Haltung gegenüber Israel und die Teilnahme an einer staatlich organisierten Konferenz in Teheran vorgeworfen, an der auch ausgewiesene Leugner des Holocaust teilgenommen haben sollen. Die Stadt hat „Code Pink“ inzwischen um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten.

Wie Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe mitteilt, werde sie die Stadtratsfraktionen umgehend über die Vorwürfe informieren und den Stadtrat in der kommenden Woche bitten, neu über die Preisvergabe zu entscheiden. „Nach den derzeitigen Erkenntnissen werde ich den städtischen Gremien vorschlagen, von der Preisverleihung Abstand zu nehmen. Wir sollten uns dabei auch grundsätzliche Gedanken über die Zukunft des Preises machen“, so Merk-Erbe. Die Stadt nehme die jetzt durch die Recherchen eines Journalisten der Jerusalem Post aufgekommenen Zweifel an der Eignung von „Code Pink“ als Preisträger ernst.

Die Stadt, so Merk-Erbe weiter, sei sich ihrer historischen Verantwortung bewusst. „Aus dieser Verantwortung heraus und aus Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus und im Wissen um die Geschichte halte ich es für richtig, die Preisverleihung nicht vorzunehmen.“ Die Stadt Bayreuth habe gerade in den vergangenen Jahren ihr Engagement bei der Erinnerungskultur deutlich ausgebaut. Die Oberbürgermeisterin erinnert in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Dauerausstellung „Verstummte Stimmen“ am Festspielhügel sowie an das neu gestaltete Richard-Wagner-Museum, das eine separate Museumsfläche der Verstrickung der Bayreuther Festspiele mit dem Nationalsozialismus widmet.

Die Teilnahme von Vertretern der Bürgerrechtsbewegung an der fraglichen Konferenz im Iran erfolgte etwa zwei Monate nachdem die städtischen Gremien dem Vorschlag der Universität zur Preisverleihung zugestimmt hatten. „Bereits begründete Zweifel an der Eignung eines möglichen Preisträgers reichen meiner Meinung nach aus, um den Preis nicht zu verleihen“, betont Merk-Erbe.

Der von der Stadt Bayreuth gestiftete „Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt“ wird seit 2008 im jährlichen Rhythmus auf Vorschlag der Universität im Rahmen der öffentlichen Tagungen eines von Universität und Stadt gegründeten „Zukunftsforums“ verliehen. Er geht an Persönlichkeiten oder Personengruppen, die sich auf kulturellem, sozialem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet international um die kritische Reflexion europäischer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung verdient gemacht haben. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ausgezeichnet werden Akteurinnen und Akteure eines offenen interkulturellen Dialogs, international engagierte Kulturschaffende, die sich für die Verbindung unterschiedlicher Kunst- und Kulturformen einsetzen, Personen oder Gruppen, die sich auf internationaler Ebene für Humanität und Toleranz engagieren, und visionäre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus an Zukunftsfragen arbeiten.

Bisher wurde der Preis an den nigerianischen Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka (2008), an den Dirigent Daniel Barenboim (2009), an Prinz Hassan von Jordanien (2010), die senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissé (2011), den ehemaligen Bundes-Umweltminister Professor Dr. Klaus Töpfer (2012) und an den evangelischen Geistlichen und Begründer der Leipziger Friedensgebete Christan Führer (2014) verliehen.

Quelle: Stadt Bayreuth

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