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Buttenwiesen: 70. Jahrestag der Deportation

Pressemeldung vom 10. April 2012, 09:03 Uhr

Binswangen und Buttenwiesen gedenken der Opfer

Die Namensliste der Opfer wollte kein Ende nehmen. Mehrere Minuten dauerte es, bis Johann Urban und Michael Hahn die Namen der 48 jüdischen Mitbürger aus Binswangen und Buttenwiesen verlesen hatten, die vor 70 Jahren zwangsdeportiert wurden. In einer bewegenden und eindrucksvollen Gedenkstunde erinnerten der Förderkreis Synagoge Binswangen und die Gemeinde Buttenwiesen an das Leid der Opfer. Windlichter, die im Halbrund auf dem Buttenwiesener Schulplatz vor der ehemaligen Synagoge aufgestellt waren, symbolisierten die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

In seiner Rede blickte Bürgermeister Norbert Beutmüller auf die Ereignisse vor 70 Jahren zurück. Am 1. April 1942 – „einer der schlimmsten Tage in der Geschichte unserer Dörfer“, so Beutmüller – wurden 41 Binswanger und Buttenwiesener Juden unter Zwang zum Bahnhof geführt und von dort in das Zwangsghetto Piaski in Polen (bei Lublin) verschleppt. In Piaski herrschten katastrophale Zustände. Ernährung, Unterbringung und hygienische Verhältnisse waren völlig unzureichend. Viele der Zwangsdeportierten starben in dieser „Hölle“, wie es einer der Überlebenden nannte. Die verschleppten Juden aus Binswangen und Buttenwiesen lebten nur wenige Monate in Piaski. Dann wurden sie in den Gaskammern der benachbarten Vernichtungslager ermordet.

Im Laufe des Jahres 1942 wurden die sieben verbliebenen jüdischen Mitbürgern aus den beiden schwäbischen Dörfern in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von diesen überlebte nur Thekla Lammfromm aus Buttenwiesen den Holocaust.

Mit einem klaren Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus beendete Beutmüller seine Rede: „Die rechtsextremen Verächter unserer Demokratie (so Bundespräsident Joachim Gauck) werden in Binswangen und Buttenwiesen nicht das Sagen haben. Unsere bürgerliche Solidargemeinschaft stärkt das Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger, egal welcher Hautfarbe, welcher Religion und aus welchem Herkunftsland.“ Er bedankte sich bei allen Teilnehmern – der Schulplatz war mit ca. 200 Besuchern gut gefüllt – für ihr Kommen und für ihr Zeichen gegen Rechtsextremismus.

In Vertretung von Landrat Leo Schrell berichtete der Dillinger Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl von einer Israel-Reise vor 15 Jahren. Der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte mit dem „Tal der untergegangenen Gemeinden“ habe ihn damals erschüttert: „Und plötzlich stand ich vor einer Steinwand mit den Namen der schwäbischen Gemeinden und mit dem Namen Buttenwiesen.“ Weigl bedankte sich bei den Gemeinden Binswangen und Buttenwiesen und beim Förderkreis Synagoge Binswangen für ihr Engagement, das Gedächtnis an die jüdische Geschichte wach zu halten. „Denn nur, wer die Namen nicht nur kennt, sondern sie auch benennt, entreißt die Opfer auch nach 70 Jahren noch der Vergessenheit,“ so Weigl.

Als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg sprach Marjan Abramovitsch anschließend das hebräische Kaddisch-Gebet, das traditionelle jüdische Totengebet. In einem eindrucksvollen Zug begaben sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung danach zum ehemaligen Bahnhof Buttenwiesen, wo die Juden den Deportationszug besteigen mussten. Die Windlichter wurden dabei von Vertretern des öffentlichen Lebens getragen.

Auf dem Bahnhofsplatz sprachen Gerlinde Schindler-Schneller als Vertreterin der Evangelischen Kirchengemeinde Wertingen, Pfarrer Rupert Ostermayer (Katholische Pfarreiengemeinschaft Wertingen) und Pater Thomas Schilling (Katholische Pfarreiengemeinschaft Unterthürheim) Gebete zur Erinnerung an die Opfer. Mit Dank- und Schlussworten von Anton Kapfer, dem Vorsitzenden des Förderkreises Synagoge Binswangen, klang die beeindruckende Gedenkstunde aus, die vom Männerensemble Binswangen-Höchstädt und von der Musikkapelle Hans Fischer – Zusamtaler Musikanten Buttenwiesen musikalisch umrahmt wurde.

Quelle: Gemeinde Buttenwiesen

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