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Regensburg: Die Geschichte des Kreiskrankenhauses Hemau geht zu Ende

Pressemeldung vom 8. November 2011, 10:47 Uhr

Krankenhausausschuss einstimmig für Schließung

Hemau (RL). Unter dem Vorsitz von Landrat Herbert Mirbeth fasste der Krankenhausausschuss am Freitag den einstimmigen Beschluss, dem Kreistag die Schließung des Hauses zum nächstmöglichen Zeitpunkt vorzuschlagen. Die Belegungszahlen in den letzten Monaten gaben den Ausschlag zu dieser Entscheidung. Von den vorhandenen 20 Betten waren seit Januar 2011 durchschnittlich nur noch 9,3 Betten belegt.

Der Beschluss zur Schließung des Kreiskrankenhauses fiel den Ausschussmitgliedern sichtlich schwer. Mit mehrfachen Umstrukturierungen des Kreiskrankenhauses, wie beispielsweise durch die Errichtung des Zentrums für integrierte Versorgung 2008, hatte man in den letzten Jahren immer wieder versucht, die medizinische Versorgung für den westlichen Landkreis Regensburg aufrecht zu erhalten. Der letzte Versuch, die Errichtung einer Portalklinik im April 2011, führte allerdings auch nicht zum gewünschten Erfolg. Der Ausschuss bedankte sich ausdrücklich bei den Chefärzten des Kreiskrankenhauses Wörth für die Unterstützung der Portalklinik in Hemau im letzten halben Jahr. Der Kreistag hatte dem Krankenhaus Hemau ein halbes Jahr Zeit gegeben, mit diesem neuen Modell noch einmal eine Kehrtwende einzuleiten. „Die vorgelegten Zahlen, eine Auslastung der Betten von weniger als 50 Prozent und ein erwartetes Defizit von 160.000 Euro in diesem Jahr zuzüglich der Kosten von rund 230.000 Euro für die Assistenzärzte haben uns dazu gezwungen, diesen Schritt zu gehen“, erklärte Landrat Herbert Mirbeth, der am Abend selbst den Antrag zur Schließung des Krankenhauses stellte. „Wir haben immer unseren guten Willen gezeigt“, betonte Kreisrat Joachim Wahnschaffe. Er sah die Gefahr der weiteren Verringerung der Bettenzahl von 20 auf zehn durch das Gesundheitsministerium aufgrund der aktuellen Belegsituation. „Damit lässt sich auf Dauer kein vernünftiges Krankenhaus mehr betreiben“, betonte der Landrat: „Ich bedauere diese Entscheidung sehr. Um weitere Defizite in den nächsten Jahren zu vermeiden, musste ich den Antrag auf die Schließung stellen.“

Kreisrat Hans Pollinger, zugleich 1. Bürgermeister von Hemau, kritisierte die Einweisung von todkranken Patienten in Regensburger Krankenhäuser und fragte die anwesenden Belegärzte, warum die Patienten nicht nach Hemau eingewiesen würden. Die Belegärzte wiesen allerdings darauf hin, dass die Angehörigen entscheiden, wohin diese Patienten eingewiesen werden. Chefarzt Dr. Christoph Gößl erklärte, dass die Einweisungszahlen in die Portalklinik ernüchternd und enttäuschend seien. „Die Patientenzahlen sanken nochmals gegenüber den Vorjahren“, so Gößl. Auch Chefarzt Dr. Wolfgang Siebert musste am Ende feststellen, das das Experiment der Portalklinik gescheitert ist. „Die vielen Versuche führten nicht zu besseren Zahlen“, so Kreisrat Anton Rothfischer, und letztlich habe man pro Jahr und Patienten 1.000 Euro draufgezahlt, betonte Kreisrat Herbert Schötz. „Wir müssen Schritt für Schritt den Tatsachen ins Auge schauen. Auch Kreisrätin Erika Simm sah keine andere Lösung mehr als die Schließung: „Ich sehe nicht mehr die Erfüllung des gesetzlichen Versorgungsauftrags. Ich finde keine Rechtfertigung mehr“. Schade sei es, dass ein überschaubares, wohnortnahes Krankenhaus, zugeschnitten auf die inneren Krankheiten und die Bedürfnisse älterer Menschen nicht angenommen worden sei. „Lieber liegen die Menschen wohl in großen Kliniken und verlieren sich irgendwo im großen Getriebe“, so Simm. „Die Hemauer haben für sich entschieden, dass sie das Krankenhaus nicht mehr wollen. Wir dürfen das nicht mehr hinauszögern“, fasste Kreisrat Michael Drindl zusammen.

Der Kreistag des Landkreises Regensburg wird sich noch in diesem Jahr mit dem Thema befassen und endgültig über die Schließung des Hemauer Hauses entscheiden. Das Krankenhaus könnte dann frühestens zum Jahreswechsel geschlossen werden. Die Räume des bestehenden Krankenhauses könnten zusätzlich vom Seniorenwohnheim genutzt werden. Für die Belegschaft des Kreiskrankenhauses werden sozialverträgliche Lösungen erarbeitet. „Aufgrund der Schließung wird keiner seinen Arbeitsplatz verlieren“, betonte der Landrat. Ein Teil der Belegschaft soll durch die RKS, den Betreiber des Seniorenwohnheims Hemau übernommen werden, ein anderer Teil durch das Kreiskrankenhaus Wörth a. d. Donau.

Auch wenn die Umstrukturierungen am Ende nicht den gewünschten Erfolg für das Krankenhaus Hemau gebracht haben, bleibt festzuhalten, dass durch die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit im letzten halben Jahr die Wörther Ärzte bekannter wurden und das Krankenhaus in Wörth durch die Portalklinik in Hemau enorm profitierte. „Vom westlichen Landkreis wurden zunehmend ambulante und stationäre Patienten direkt nach Wörth eingewiesen“, informierte Krankenhausdirektor Heinrich Karl.

Quelle: Landratsamt Regensburg – Pressestelle

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