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Aichach-Freidberg: Bürgerschaftliches Engagement stärken

Pressemeldung vom 30. September 2013, 16:01 Uhr

Kaufbeurer Marktplatz zeigt Möglichkeiten auch im Bereich der Psychiatrie auf

Kaufbeuren (pm). „Am Sonntag, 6. Oktober, präsentieren sich unter dem Motto „All inclusive – Inklusion für alle“ gemeinnützige Einrichtungen, Verbände und Vereine zwischen 13 und 17 Uhr im Kaufbeurer Sparkassenforum. Die Besucher und Besucherinnen erwarten etwa 40 Messeaussteller und ein breit gefächertes Bühnenprogramm. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung der vielfältigen Möglichkeiten im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements. Aktiv dabei sind auch Mitglieder und Gruppen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Kaufbeuren-Ostallgäu.

„Unser Ziel ist es, Menschen, die gerne helfen möchten, an genau die Stellen zu vermitteln, die ihren Talenten und Vorstellungen entsprechen“, erläutert Angelika Lausser, Leiterin der Freiwilligen-Agentur „Knotenpunkt“. Wie kann in einer Kommune wie Kaufbeuren „Inklusion“ mit psychisch erkrankten oder behinderten Mitbürgern und Mitbürgerinnen gelebt werden? Von den Mitgliedern des Gemeindepsychiatrischen Verbundes wurde im Vorfeld der Veranstaltung nach Ideen gesucht, wie das „inklusive“ Zusammenleben unterstützt werden kann.

Beim „Marktplatz“ offerieren mehrere Mitglieder und Gruppen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes ehrenamtliches Engagement von und für Menschen, die psychisch krank sind oder waren. Sie bieten interessierten Bürgerhelfern oder Bürgerhelferinnen vielfältige Tätigkeitsfelder, beispielsweise beim gemeinsamen Besuch kultureller Veranstaltungen und Einrichtungen, bei Besuchen oder Spaziergängen, bei der Arbeit mit dem Sinnesmobil, bei handwerklichen Tätigkeiten oder über Besuche. Mit dabei sind beispielsweise das Allgäuer Selbsthilfebüro, das Sinnesmobil des BRK Ostallgäu, der Landesverband der Psychiatrieerfahrenen e.V., der Behindertenbeirat Kaufbeuren, der Landesverband Bürgerhilfe in der Psychiatrie, die Seelsorge des Bezirkskrankenhauses und das Lotte-Lemke-Zentrum.

Bürgerhelfer und Bürgerhelferinnen in der Psychiatrie bilden durch ihr mitmenschliches Dasein auch in Zeiten der Krise ein Bindeglied zur Normalität; eine stabile Beziehung kann helfen, psychisch gesund zu bleiben oder schwere Zeiten besser durchzustehen. Sie sind deshalb nicht durch Profis zu ersetzen. Dieses Ehrenamt ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Deshalb erhalten die Bürgerhelfer und Bürgerhelferinnen – je nach Organisation unterschiedlich – eine gründliche Einführung und die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit Professionellen zu reflektieren.

Erstmalig wird beim „Marktplatz“ von Oberbürgermeister Stephan Bosse die Bayerische Ehrenamtskarte ausgegeben: An den gelernten Schreiner und Bürgerhelfer der Tagesstätte für seelische Gesundheit (Diakonie Augsburg e.V.), Siegfried Steiner, der seit Jahren regelmäßiger Anleiter, Gesprächspartner und Begleiter für die Besucherinnen und Besucher der Schreinerwerkstatt ist.

Der Landesverband der Psychiatrieerfahrenen e.V. startet zusammen mit dem Generationenhaus ein besonderes Projekt: das „TANDEM“ – eine Person mit Psychiatrieerfahrung und eine freiwillig engagierte Person kümmern sich gemeinsam, also als Tandem, um ein soziales oder gemeinnütziges Anliegen. So werden die Beiden durch ein gemeinsames Anliegen verbunden und wirken gleichzeitig für ein größeres Ganzes – das kann für Beide belebend und heilend wirken.

Selbsthilfe ist für Menschen in seelischen Krisen häufig der beste Weg, sich zu versichern, dass sie mit Ihrer Erkrankung nicht allein sind. Sie können sich mit anderen Betroffenen austauschen, ihr Wissen teilen, ihre Krankheit oder ihr Problem besser verstehen und sich gegenseitig unterstützen. Das wirkt befreiend und stärkt das Selbstbewusstsein. Am „Marktplatz“ werden sich das Selbsthilfebüro und Selbsthilfegruppen vorstellen; diejenigen, die nicht kommen können, können sich entweder an das Selbsthilfebüro wenden (Tel.: 08 31/ 9 60 60 91) oder im GPV-Büro eine Liste der Selbsthilfegruppen anfordern (Tel.: 0 83 41/72 51 50).

Der Gemeindepsychiatrische Verbund Kaufbeuren/Ostallgäu wird die breite Öffentlichkeit nutzen, um die Neuauflage seiner Broschüre „Wege aus seelischen Krisen“ vorzustellen. Auf 60 Seiten werden alle Möglichkeiten der Selbsthilfe, der Kontaktfindung, Beratung und Behandlung, der Tagesgestaltung, zur Teilhabe am Arbeitsleben und des betreuten Wohnens vorgestellt. Eine Rubrik „Behörden“ gibt Einblick in die Zuständigkeiten.

Neben den Ausstellern führt ein umfangreiches Programm mit Information und Show die Besucherinnen und Besucher durch den Messenachmittag. Nach der Eröffnung durch Schirmherrin Schwester Regina, Generaloberin des Crescentiaklosters, Oberbürgermeister Bosse sowie Bezirkstagsvizepräsidenten Alfons Weber, gewährt ein live geführtes Interview Einblicke in die Tätigkeit von Maria Fischer, einer Bürgerhelferin in der Psychiatrie. Im Interview mit Michael Siebel von der Geschäftsstelle des Landesverbandes für Psychiatrieerfahrene e.V. in Augsburg wird die Frage beleuchtet, wie der Prozess der Recovery bei psychischer Erkrankung aussehen kann, es geht um Selbsthilfe und um den Wunsch, sich mit seinen – vielleicht auch neu entdeckten – Fähigkeiten in seiner Umgebung einzubringen. Im Nebenraum zeigen Filme, dass jede/r in eine psychische Krise geraten kann – und dass es darum geht, zu erkennen und Wege aus diesen Krisen zu suchen.

Auf eine weitere Veranstaltung am Tag der Seelischen Gesundheit, dem 10. Oktober 2013, soll hier gleichzeitig hingewiesen werden: Im Corona Cineplex (info@corona-kinoplex.de) findet am Donnerstag 10. Oktober 2013 – Vorführungszeit: 18.30 Uhr die Sondervorführung des Films: „Was bleibt“ statt. Für die Interessierten wird im Anschluss eine Diskussion angeboten.

Quelle: Landkreis Aichach-Freidberg

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