Energiewechsel

Aschaffenburg: Aus der Festschrift zum 200. Jubiläum der Städtischen Musikschule

Pressemeldung vom 27. September 2013, 12:12 Uhr

Paul Hindemith (geboren 1895 in Hanau, gestorben 1963 in Frankfurt am Main) war Geiger, Bratscher und bedeutender Komponist des 20. Jahrhunderts. Er studierte am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main Violine und Komposition bei Adolf Rebner, Arnold Mendelssohn und Bernhard Sekles. Im Alter von zwanzig Jahren wurde er Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Frankfurt zurück und spielte von 1922 bis 1929 Bratsche im von ihm gegründeten Amar Quartett. Ab 1923 war Hindemith Mitglied im Organisationsausschuss der Donaueschinger Musiktage. 1927 wurde er als Professor für Komposition an die Berliner Hochschule für Musik berufen.

Bereits Anfang der 1930er Jahre erreichte seine Karriere als Komponist einen ersten Höhepunkt. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden seine Werke jedoch als „kulturbolschewistisch“ diffamiert und verschwanden von den Konzertprogrammen. 1936 erhielten seine Arbeiten endgültig Aufführungsverbot in Deutschland, woraufhin Hindemith 1938 zunächst in die Schweiz emigrierte. Später übersiedelte er in die USA (1940) und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an (1946). 1951 übernahm Hindemith einen Lehrauftrag in Zürich und ließ sich 1953 im Schweizerischen Blonay am Genfer See nieder. Paul Hindemith starb am 28. Dezember 1963 in Frankfurt am Main.

Das Amar Quartett benannte sich nach Licco Amar, seinem ersten Geiger. Es war ein in Frankfurt ansässiges Streichquartett, das 1921 gegründet und 1929 wieder aufgelöst wurde. Neben dem türkischen Geiger Licco Amar, gehörten dem Quartett Walter Kaspar (2.Violine), Paul Hindemith (Bratsche) und von 1921 bis 1922 dessen jüngerer Bruder Rudolf Hindemith (Violoncello) an. Ab 1922 übernahm Maurits Frank Rudolf Hindemiths Part. Das Amar Quartett entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Quartette der Zwischenkriegszeit. Es machte sich vor allem um die zeitgenössische Musik verdient und trat häufig bei den Donaueschinger Musiktagen auf. Zahlreiche Werke der Neuen Musik wurden durch das Amar Quartett uraufgeführt.

Dazu ein Artikel aus „Theater und Musik“ vom 19.01.1923:

Kammerkonzert. Im gutbesetzten Deutschhaussaal fand gestern als Veranstaltung der Aschaffenburger Musikkultur ein Kammerkonzert, ausgeführt vom Hindemithquartett, statt. Den ersten Teil des Programms füllte Franz Schuberts Streichquartett in G-Dur op. 161 aus. Die leichtbeschwingte, sonnige Komposition weht wie ein Hauch aus vergangener besserer Zeit zu uns herüber. Ungetrübte Fröhlichkeit und heitere Daseinsfreude, die uns Heutigen längst abhanden gekommen ist, durchleuchtet dieses Werk. Von den ausführenden Künstlern Licco Amar, Walter Kaspar, Paul Hindemith und Maurits Frank wurde Schubert in seiner romantischen

Pracht restlos erschöpft. Das war ein Musizieren, das innerlich erwärmte und den grauen Alltag vergessen ließ. Paul Hindemiths Streichquartett verleugnete nicht, daß sein Schöpfer ein Heutiger ist. Er ringt nach dem neuen Ausdruck, aber er hat die Tradition nicht vergessen. Und so steht er zwischen zwei Welten als ein Ringender, bei dem viel Schönes mit Chaotischem gemischt ist. Auch diese Komposition wurde von den Ausführenden meisterhaft zum Vortrag gebracht. M. B.

Quelle: Stadt Aschaffenburg

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