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Aschaffenburg: „Städte gegen die Todesstrafe“ – Frühstückstempel wird violett angestrahlt

Pressemeldung vom 21. November 2011, 10:58 Uhr

Am 30. November 2011 findet auf Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio zum 10. Mal ein internationaler Aktionstag „Cities for life“ gegen die Todesstrafe statt. Das diesjährige Motto lautet „No justice without life: Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe“.

Aschaffenburg schließt sich in diesem Jahr erneut dieser Kampagne an: Der Frühstückstempel im Schlossgarten zwischen Pompejanum und Schloss Johannisburg wird an diesem Abend in der Zeit von 18 Uhr bis 23 Uhr in violettem Licht angestrahlt.

Ca. 1.400 Städte in 87 Ländern, darunter 66 Hauptstädte, haben sich der Aktion angeschlossen. In vielen Metropolen wird an diesem Tag ein charakteristisches Gebäude besonders beleuchtet, so etwa in Rom das Kolosseum, in Brüssel das Atomium, in Berlin der Rathausturm, in Aachen das Ponttor, in Würzburg die Festung oder in Nürnberg die Straße der Menschenrechte. Andere Städte führen besondere Aktionen durch, so wird in Leipzig 5 Minuten vor jeder vollen Stunde die Glocke im Carl-Goerdeler-Denkmal geläutet. Mit diesen Gesten und einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen wollen die Organisatoren ihren Protest gegen die Unmenschlichkeit der Todesstrafe zum Ausdruck bringen. In Deutschland ist die Zahl der beteiligten Städte in diesem Jahr auf 141 angestiegen, darunter Berlin, Stuttgart, Bonn, Mönchengladbach, Schwerin, Bremen, Weimar, Bielefeld und zahlreiche kleinere Städte wie Winnenden, die vor einigen Jahren beim Amoklauf in der Schule eine schreckliche Tragödie erlebte.

Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet. Diese wichtige Resolution bestätigt eine weltweite Tendenz zu einer größeren Achtung der Menschenrechte. Auch die Bischofssynode der Katholischen Kirche für Afrika hat sich im Oktober 2009 diesen Appell zueigen gemacht und fordert zur Abschaffung der Todesstrafe auf. Im Dezember 2010 wurde bei der UNO mit 109 Ja-Stimmen (zwei mehr als 2009) zum dritten Mal eine Resolution für ein universales Moratorium der Hinrichtung mit dem Ziel einer vollkommenen Abschaffung verabschiedet. Dieser große Erfolg beweist den unumkehrbaren und weltweiten Trend, die Todesstrafe zu einem Relikt der Vergangenheit zu machen.

Die Kampagne kann auch in den vergangenen Monaten weitere Fortschritte verzeichnen: Am 19. August 2011 hat Benin das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte verabschiedet. Durch die Zustimmung zu diesem Vertrag wird die Beseitigung der Todesurteile und Hinrichtungen umgesetzt. Dieser Beschluss rückt die endgültige Streichung des Gesetzes über die Todesstrafe in diesem afrikanischen Land in die Nähe. Schon im März dieses Jahres hat mit Illinois ein weiterer Bundesstaat der Vereinigten Staaten den Schritt zur endgültigen Abschaffung der Todesstrafe getan. Der tunesische Ministerrat hat am 4. Februar 2011 eine Reihe internationaler Konventionen und Protokolle verabschiedet und damit die Abschaffung der Todesstrafe eingeleitet, was ein wichtiges Signal in der arabischen Welt im Zusammenhang mit den Aufbruchsbewegungen in dieser Region darstellt.

2010 verkündete der Präsident der Mongolei ein Moratorium als ersten Schritt zur Abschaffung der Todesstrafe in seinem Land. In den Monaten vorher haben New Mexico und New Jersey, sowie Gabun, Usbekistan und Burundi die Todesstrafe zu einer Tatsache der Vergangenheit gemacht. In Kenia wurden im August 2009 alle Todesurteile in lebenslängliche Haft umgewandelt.

Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie de facto nicht mehr an, nur eine Minderheit von 58 Staaten übt diese Praxis noch aus. In den vergangenen zwölf Jahren, seit die Gemeinschaft Sant’Egidio eine besondere Kampagne mit einem Appell für ein weltweites Moratorium initiiert hat, hat sich das Zahlenverhältnis zwischen den Ländern mit und ohne Todesstrafe deutlich verändert. Es zeigt sich global immer eindeutiger eine Tendenz zur Abschaffung. Trotzdem gibt es noch besorgniserregende Tendenzen, wie z. B. die Hinrichtung von Jugendlichen in einigen Ländern. Daher ist das Engagement und die Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema weiterhin weltweit gefordert.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in 70 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte.

Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio ca. 5,5 Millionen Unterschriften gesammelt, die am 2. November 2007 dem Präsidenten der UNO-Vollversammlung, Srgiam Kerim, übergeben wurden. Außerdem pflegt sie weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützt viele im persönlichen Einsatz.

Quelle: Stadt Aschaffenburg

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