Energiewechsel

Bayreuth: „Ich wollte singen, sonst nichts!“

Pressemeldung vom 22. Juni 2012, 10:54 Uhr

Ein Leben für die Bühne – Stadtbibliothek im RW21 zeigt eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Martha Mödl

BAYREUTH – „Ich wollte singen, sonst nichts!“ So lautet das Motto einer Ausstellung zum 100. Geburtstag der großen Opernsängerin Martha Mödl, die die Stadtbibliothek Bayreuth in der Galerie des RW21 vom 28. Juni bis 1. September zeigt.

Martha Mödl, eine der großen Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts, hätte am 22. März 2012 den 100. Geburtstag gehabt. Die im RW21 zu sehen Ausstellung hat sich daher vorgenommen, die einzigartige Künstlerin umfassend zu würdigen.

Martha Mödl, deren intensive Rollengestaltungen bis heute Vorbildfunktion haben und beim Publikum unvergessen sind, stand 60 Jahre auf der Opernbühne. Ihre an Höhepunkten reiche Laufbahn bestach durch enorme Repertoirebreite, von den Partien des hochdramatischen Fachs bis zur Moderne, der sie stets in großer Offenheit begegnete.

Die Ausstellung, bestehend aus mehr als 100 Tafeln, die in speziell dafür gebauten Wandelementen präsentiert werden, zeichnet den künstlerischen Weg in Form einer Lebenslinie nach. Den Schwerpunkt bildet Fotomaterial; hinzu kommen Briefe, Widmungen und Gemälde. Da das Gezeigte fast zur Gänze dem Nachlass Martha Mödls entstammt, darf gesagt werden, dass sie die Vorauswahl aus der Fülle des Möglichen selbst vorgenommen hat: Nur das, was die Mödl von ihrer vielseitigen und langen Laufbahn als erinnerungswürdig aufbewahrte, ist vertreten. Dadurch gelingt es, die Nachstellung des ganz der Kunst verschriebenen Lebens, zum sehr persönlichen Rückblick der Sängerin aufzuwerten.

Die Gestaltung der Ausstellung übernahm Helmut Vetter, der Martha Mödl in langer Freundschaft eng verbunden war. Ihn hatte sie mit ihrem künstlerischen Nachlass betraut. Die Sichtung des umfangreichen Bestandes führte bei Vetter schnell zum Wunsch, ihn in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Martha Mödls 100. Geburtstag ist dafür der nahe liegende Anlass und die Stadt Bayreuth der ideale Schauplatz: 1951, bei der Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg, sang Martha Mödl die „Kundry“ im Parsifal. Es folgten unter anderem Isolde und die Brünnhilden. Ihre Maßstäbe setzenden Interpretationen prägten bis 1967, als sie sich mit Fricka und Waltraute von den Festspielen verabschiedete, Neu-Bayreuth entscheidend mit.

Theatergeschichte schrieb Martha Mödl, die an allen großen Bühnen der Welt gerne gesehener Gast war, immer wieder: 1955 war sie die Leonore in Beethovens „Fidelio“ bei der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper; 1963 gab sie die Amme in Richard Strauss‘ „Frau ohne Schatten“ in der Wiedereröffnungsproduktion des Münchner Nationaltheaters.

Die Rückkehr zum Mezzosopran gelang der Mödl fließend und auf die hochdramatischen Jahre folgte eine zweite, ebenso erfolgreiche, bis ins hohe Alter reichende Karriere im Charakterfach.

Die Ausstellung in der Bayreuther Stadtbibliothek belegt die Vielseitigkeit der grandiosen Sängerdarstellerin. Sie beginnt 1942, mit dem Debüt in Remscheid und endet 2001, beim letzten Auftreten als Amme in „Boris Godunow“ an der Komischen Oper Berlin. Obwohl der Komponist Richard Wagner und die Bayreuther Festspiele im Zentrum stehen, kommen alle Karrierephasen ausreichend zur Geltung, sodass die Ausstellung auch zum Streifzug durch die Welt der Oper in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerät. Da der Blick auf das aktuelle Theater ein schärferer ist, wenn der Bezug zur Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht verloren geht, ist die Präsentation die passende Abrundung des Festspielsommers.

Den besonderen Rang der Martha Mödl-Ausstellung betonen die Übernahmen der Schirmherrschaft durch Bayreuths Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier und der Ehrenschirmherrschaft durch Elisabeth Furtwängler.

Quelle: Stadt Bayreuth

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