Energiewechsel

Berg: Wir in Berg! – Leben und leben lassen

Pressemeldung vom 24. Juli 2015, 09:59 Uhr

„Seien wir ehrlich – das Leben ist lebensgefährlich!“ (Erich Kästner)
– Tägliche Lebensgefahr auf unseren Straßen durch betagte Autofahrer –

Sie haben vielleicht diese Thematik in der Familie und würden Vater/Mutter, Oma/Opa gerne überreden, zum eigenen Schutz und zur Gefahrenminimierung für andere Menschen den Führerschein abzugeben und damit auf die geliebte Mobilität zu verzichten – endgültig und für immer!

In Deutschland haben im Jahr 2014 insgesamt 3.377 Menschen auf den Straßen ihr Leben verloren. Jedes einzelne Verkehrsopfer bedeutet letztlich eine menschliche Katastrophe und sehr viele Menschen starben wegen Fehler, Unachtsamkeit, Leichtsinnigkeit, Konzentrationsfehler, Sehstörungen, Ohnmacht etc. anderer Menschen.

Selbstverständlich sind zahlreiche alte Mitmenschen gute und verantwortungsbewusste Autofahrer, trotzdem steigen die Risiken mit steigendem Alter. Heute haben in Deutschland 70 Prozent der 76-80-Jährigen eine Fahrerlaubnis. Es ist dies die Wirtschaftswunder-Generation, deren Bindung an das Auto besonders ausgeprägt ist.

Sind Menschen ab 75 Jahren in einen Autounfall verwickelt, tragen sie in drei Viertel der Fälle die Hauptschuld wegen Überforderung in der Einschätzung komplexer Situationen. Es wäre dringend erforderlich, einen regelmäßigen Gesundheits-Check für alle Autofahrer durchzuführen – beim Fahrzeug ist die TÜV-Untersuchung schließlich auch obligatorisch und niemand wird die Sinnhaftigkeit ernsthaft bestreiten.

In der Schweiz, Italien und den Niederlanden gibt es diese gesetzliche Verpflichtung bereits und das aus gutem Grund. In der Schweiz ist der verpflichtende Gesundheitstest nicht nur für alte Autofahrer, sondern auch für junge, die eine schwere Krankheit oder eine Operation hinter sich haben, erforderlich. Ein Arzt prüft Reflexe, Hörvermögen, Farbsinn, Gesichtsfeld, Reaktionsvermögen, Sehfähigkeit, Atmung, Puls und Blutdruck bei einem Zeitaufwand von lediglich 20 Minuten!!!

Die jetzige CDU-SPD-CSU-Bundesregierung hatte den Gesundheits-Check bei den Koalitionsverhandlungen 2013 auf der Agenda, letztlich hat man die unangenehme Thematik wegen Angst vor den vielen Autofahrern in hohem Alter wie ein heißes Eisen fallen lassen. Sehr verantwortungsbewusst war das nicht und die Sorge um gefährdete Wählerstimmen war wohl größer.

„So wie es für US-Präsident Barack Obama selbst nach Amokläufen unmöglich ist, den Amerikanern ihr Recht auf eine eigene Waffe auszureden, so undenkbar ist es für deutsche Politiker, den Bürgern das Freiheitsversprechen ewiger Automobilität zu rauben.“ / DIE ZEIT, 18. Juli 2015

In Deutschland müssen wir daher bis auf weiteres auf Freiwilligkeit und die Vernunft der Menschen hoffen – eigentlich zu wenig! Jeder unschuldig getötete oder verstümmelte Mensch ist – wie bereits erwähnt – für seine Familie eine Katastrophe und zerstört oftmals auch das Leben der betroffenen Kinder, Eltern, Freunde etc.

Diese Thematik ist unangenehm, ärgerlich, strittig – wie könnte es auch anders sein. Wer verzichtet schon gerne auf die Möglichkeit der Mobilität durch das in der Garage stehende Auto und das endgültig?!

Viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger werden sich auch ärgern über meine Anmerkungen und Benennung der Risiken – werden die Äußerungen mithin als anmaßend empfinden. Ich verstehe das durchaus.
Gleichwohl – prüfen Sie sich ehrlich und offen, ob Sie den Anforderungen des Straßenverkehrs noch gewachsen sind. Besprechen Sie die Thematik in der Familie und ziehen Sie gegebenenfalls Ihren Arzt zu Rate: Er kann Ihnen zumindest eine Empfehlung aussprechen.

Es gibt nichts Wertvolleres auf der Welt als ein immer einmaliges Menschenleben und unsere persönliche Gesundheit. Demzufolge müssen wir alles uns Mögliche tun, um weder unser eigenes Leben bzw. das Leben und die Gesundheit unserer Mitmenschen zu gefährden.

Darum geht es – nicht um unsere persönlichen Befindlichkeiten und Eitelkeiten.

Quelle: Gemeinde Berg bei Neumarkt i.d.OPf.

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