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Erlangen-Höchstadt: „Einen Notruf absetzen kann jeder“

Pressemeldung vom 9. August 2016, 13:35 Uhr

Kriminalhauptkommissar Wilfried Kunze arbeitet seit zehn Jahren im Bereich in Prävention der Kriminalpolizei Nürnberg. Am Dienstag, 20. September 2016 zeigt er interessierten Senioren aus Stadt und Landkreis im Landratsamt Erlangen-Höchstadt, wie sie sich in Notsituationen richtig wehren und anderen zu Hilfe kommen können. Ein paar Tipps hat er vorab verraten.

Was bedeutet Zivilcourage für Sie? Wilfried Kunze: Zivilcourage ist, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen und dabei darauf zu achten, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Mit dem Handy Hilfe holen oder andere ansprechen kann jeder.

Theoretisch, ja. Dieser Tage wird jedoch fehlende Zivilcourage kritisiert. Was sagen Sie dazu? Wilfried Kunze: Meistens gibt es drei Gründe, warum jemand nichts tut. Er fragt sich, was ihm das bringt und macht eine Kosten-Nutzen-Analyse. Die Erfahrung zeigt auch, dass je mehr Menschen in einer Situation herumstehen, desto weniger geholfen wird. Und schließlich fürchten viele, selbst Schwierigkeiten zu bekommen oder als Zeuge aussagen zu müssen.

Viele Menschen haben auch Angst, die Polizei auf Verdacht hin zu rufen… Wilfried Kunze: Die Polizei ist auf Hinweise angewiesen. Lieber einmal zu viel die Notrufnummer 110 angerufen als einmal zu wenig. Man braucht auch keine Angst zu haben etwas falsch zu machen. Einen Notruf absetzen und sich Hilfe holen kann jeder, auch ältere Damen mit Rollator. Wichtig ist bei einer Hilfeleistung andere mit ins Boot zu holen. Der erste Schritt, die Leute richtig anzusprechen, ist das Schwierigste.

Wie spreche ich denn richtig Leute an? Wilfried Kunze: Benennen Sie die Kleidung der Person, sprechen Sie sie gezielt an („Sie da, in dem blau-weiß karierten Hemd!“) und erteilen ihr einen konkreten Auftrag („Bitte rufen Sie die Polizei, helfen Sie!“). Formulieren Sie positiv.

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Was erwartet die Teilnehmer bei Ihrem Seminar Zivilcourage am 20. September im Landratsamt? Wilfried Kunze: Es gibt einen theoretischen Teil mit einigen praktischen Vorführungen. Ich gebe den Teilnehmern Tipps, wie sie Selbstsicherheit ausstrahlen und zeige ihnen anhand von Techniken und Stimmübungen, wie man sich verhalten sollte, wenn doch mal etwas passiert, beispielsweise beim Handtaschenraub.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn mir jemand die Handtasche stehlen will? Wilfried Kunze: Das mag jetzt überraschen, aber am besten ist es, insbesondere für Senioren, die Tasche nicht zu verteidigen und hinterher zu laufen. Gerade bei älteren Damen ist die Sturzgefahr hoch. Lieber lassen Sie die Tasche los und haben vorher vorgesorgt, damit der Verlust nicht so groß ist.

Was empfehlen Sie, um den Schaden vorab zu minimieren? Wilfried Kunze: In mein Seminar zu kommen. Am 20.September verrate ich im Landratsamt in Erlangen Tipps, wie man sich schützen und Zivilcourage lernen kann (lacht).

Einen Tipp können Sie vorab schon verraten? Wilfried Kunze: Vorab – Beim gezielten Entweichen aus einer Gefahrensituation die drei goldenen „Ls“ befolgen. Da hingehen, wo Licht, Lärm und Leute sind. Wer selbstsicher wirkt und seine Angst nicht zeigt, bedeutet dem Angreifer außerdem, dass er die Opferrolle nicht mitspielt.

Müssen wir denn Angst vor Überfällen haben? Wilfried Kunze: Die Region hier ist immer noch sehr sicher. Mit diesem Seminar wollen wir das Sicherheitsgefühl vor allem älterer Menschen erhöhen. Die Erfahrung in anderen Seminaren hat gezeigt, dass die Teilnehmer es schätzen, dass die Polizei präventiv tätig ist und sie vor Bedrohung und Gewalt schützt.

„Zivilcourage lässt sich lernen“ – Verhaltensseminar für die Generation 50Plus
Dienstag, 20. September 2016, 15 Uhr Landratsamt Erlangen-Höchstadt, Sitzungssaal, 2. OG Marktplatz 6 91054 Erlangen Eintritt frei.

Um Anmeldung bei Anna Maria Preller, Seniorenbeauftragte des Landkreises, wird gebeten. Telefonnummer 09131/803-277, E-Mail: anna.maria.preller@erlangen-hoechstadt.de

Quelle: Landratsamt Erlangen-Höchstadt

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