Energiewechsel

Landkreises Unterallgäu: Alles grau in grau? – Soziale Kontakte und Bindungen schützen vor Depression

Pressemeldung vom 4. Dezember 2015, 11:22 Uhr

Ottobeuren Das Langzeitrisiko an Diabetes Mellitus zu erkranken beträgt in Deutschland 8 % – die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken liegt bei 20 %. Dabei sind Depressionen nicht lediglich eine kurzzeitige Verstimmung. Die Erkrankung lähmt die Betroffenen in vielen Bereichen und dies über lange Zeit – wenn sie nicht behandelt wird.

Physiologisch entstehen Depressionen häufig wenn bestimmte Botenstoffe vermindert aktiv sind. Serotonin z.B. gilt als eines der Glückshormone, erklärte Martin Wiedemann, Chefarzt der Schmerztagesklinik an der Kreisklinik Ottobeuren. Ist zu wenig Serotonin vorhanden, fällt es den Betroffenen schwer Entscheidungen zu treffen, sich zu konzentrieren oder etwas zu finden das Spaß macht.

Neben erblichen Einflüssen können belastende Ereignisse (z.B. Verlust eines nahen Angehörigen oder Freundes), dauerhafter Stress, negatives Denken oder ein fehlendes soziales Netz für die Entwicklung einer Depression verantwortlich sein. Einsamkeit kann depressiv machen, warnte Martin Wiedemann. Jedoch können schwere körperliche Erkrankungen ebenfalls eine Depression auslösen. Ein Drittel der Herzinfarktpatienten entwickeln in der Folge eine Depression, bei Patienten mit chronischen Schmerzen sogar die Hälfte aller Betroffenen.

Ein Patient der an einer Depression leidet ist fast jeden Tag durchgängig traurig und niedergeschlagen. Er hat fast ständig das Gefühl zu nichts mehr Lust zu haben und die Freude für Dinge die eigentlich Spaß machen, geht verloren. Außerdem ist er meist müde und energielos. Viele Menschen mit Depression können sich schlecht konzentrieren, fühlen sich wertlos, malen die Zukunft schwarz, haben oft Schlafprobleme und denken in der Folge vermehrt über den Tod nach. Halten diese Symptome länger als zwei Wochen an, gepaart mit dem Gefühl „Ich kann nicht mehr“, sollte dringend entsprechende Hilfe gesucht werden, riet der Chefarzt.

Die Therapie einer Depression hat das Ziel, die Depression zu beenden und einen Rückfall zu vermeiden. Hierfür stehen verschiedene Therapiebausteine zur Verfügung.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen ist die Therapie der Wahl die Psychotherapie. Diese Therapie schützt auch besser als alleinige medikamentöse Therapie vor einer Wiedererkrankung – Voraussetzung ist, dass die Chemie zwischen Klient und Therapeut stimmt. Oft gibt es aber lange Wartezeiten bei Psychotherapeuten. Martin Wiedemann rät, auch bei der Koordinationsstelle Psychotherapie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) unter 0921/ 787765-40410 nach freien Plätzen zu fragen.

Bei schweren Depressionen wird zumeist eine medikamentöse Therapie angewandt, oft als Vorbereitung und Voraussetzung für eine anschließende Psychotherapie. Darüber hinaus wirkt regelmäßige ausdauernde Bewegung ähnlich antidepressiv wie eine medikamentöse Behandlung.

Bewegung ist auch ein wichtiges Stichwort um einer Depression vorzubeugen, erklärte Martin Wiedemann abschließend. Entspannungs- und Erholungsphasen müssen fest in den Alltag eingeplant werden. Dabei sollte man möglichst auf die eigenen Bedürfnisse achten und die Dinge tun, die einem Spaß machen. Wohltuende Kontakte zu pflegen und gegebenenfalls Konflikte frühzeitig anzugehen hilft ebenfalls einer Depression vorzubeugen. Außerdem sollte man auf regelmäßigen und ausreichenden Schlaf achten, riet der Chefarzt.

Quelle: Landkreises Unterallgäu

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis