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Landkreises Unterallgäu: Du bist schuld! – Bin ich das wirklich?

Pressemeldung vom 18. Mai 2015, 10:57 Uhr

Oder schiebt mir mein Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu? Dr. Klaus Trageser, ärztlicher Psychotherapeut in Bad Grönenbach erklärt die Mechanismen der Schuldzuweisung
Ottobeuren Die Zuweisung von Schuld ist ein gängiges Machtspiel in unserer Gesellschaft und in unserem Alltag. Dabei lässt sich das Thema Schuld aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten: juristisch, philosophisch, theologisch, religiös, moralisch, ethisch oder psychologisch.

Häufig wird Schuld als Folge von etwas Verbotenem oder „strafrechtlich Relevantem“ verstanden, bei dem objektive Schuld oder subjektives Schuldempfinden im Zusammenhang zum gesellschaftlichen Kontext und/oder menschlichen oder kirchlichen Regeln und/oder Gesetzen steht.
Man unterscheidet dabei zwischen moralischer und realer Schuld.
Im Gegensatz zur realen Schuld, bei der einem anderen tatsächlich ein oft körperlicher, seelischer oder materieller Schaden zugefügt wird, dreht sich die Frage der moralischen Schuld vor allem um Schuldzuweisungen, ein Gefühl des „sich schuldig Fühlens“ und einen daraus gezogenen Machtgewinn für den Ankläger. Gründe für Schuldzuweisungen liegen oft in unerfüllten Erwartungen oder Vorstellungen, im Verschieben von Verantwortung oder in Rachebedürfnissen. Ein Manipulationsspiel, dessen Muster im Alltag weit verbreitet ist. Man bewegt sich in einem sogenannten Dramadreieck in dem jedem Beteiligten eine Rolle zufällt. Der Täter macht Vorwürfe, weist zurecht, kritisiert und klagt an. Das Opfer in der Gegenrolle ist unterwürfig, hilflos, schüchtern und unwissend. Als dritte Rolle springt der Helfer oft gebeten oder ungebeten für das Opfer ein, tröstet und gibt gute Ratschläge. Gefangen in diesem Dramadreieck wechseln Menschen in den Rollen hin und her – je nach Situation und Lage. Die Lösung der Problematik kann daher nicht im Wechsel der Positionen im Dramadreieck selbst liegen, sondern nur durchbrochen werden, in dem die Beteiligten das Spiel durchschauen und sich aus dem Muster verabschieden.

Bei der realen Schuld liegt ein juristisches Vergehen durch den Verstoß gegen ein staatliches Gesetz oder ein Gebot vor. Es folgen Anklage, Verhandlung und Verteidigung.
Zur Verarbeitung der realen Schuld gibt es ebenfalls psychologische Mechanismen. Der Täter muss seine Schuld er- und bekennen. Der Aspekt der Reue spielt bei der Verarbeitung sowohl für den Täter als auch für das Opfer eine wesentliche Rolle. Denn ehrliche Reue erleichtert die Seele.

Vergebung heißt nicht dem Täter die Schuld abzunehmen, sondern sich selber vom Täter zu lösen. Nur durch die Vergebung lässt sich – trotz entstandenem Schaden – das weitere Leben frei vom Täter gestalten. Dr. Trageser sensibilisiert, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt – sie deckt diese manchmal nur gnädig zu. Seelische Wunden brauchen jedoch aktive Zuwendung, Achtsamkeit und Pflege (Therapie).

Quelle: Landkreises Unterallgäu

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