Energiewechsel

Main-Spessart: Im „Netz“ entzieht sich vieles unserer Kontrolle

Pressemeldung vom 24. Oktober 2011, 14:18 Uhr

Am Montag hatte die Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Main-Spessart zum
Workshop „Digitale Jugendwelten -Medien und soziale Netzwerke“ in die Berufsschule
Karlstadt eingeladen. Denn das World Wide Web ist überall und jederzeit verfügbar. Für
Jugendliche ist es das wichtigste Medium. Über zwei Stunden pro Tag verbringen
Jugendliche im Internet, meist in Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Schüler VZ.
Landrat Thomas Schiebel machte beim Workshop deutlich, dass neben den positiven Seiten
der Internetnutzung auch Risiken und Gefahren lauern. „Verbote sind der falsche Weg,
stattdessen soll den Jugendlichen mehr Medienkompetenz vermittelt werden“, rät der
Landrat.

Über vierzig Eltern, Lehrer und Jugendliche waren der Einladung von Kreisjugendpfleger
Bernhard Metz zum Fachabend Medien gefolgt, und beteiligten sich rege an den Workshops.
„Soziale Netzwerke gibt es schon lange, aber die technischen Neuentwicklungen innerhalb
der sozialen Netzwerke verfügen über raffinierte Möglichkeiten, mehr Daten von den Nutzern
abzugreifen, manchmal mehr als uns lieb ist“, erklärt Metz.

„Medien für Massen – Betriebssystem der Gesellschaft“
MdL Eberhard Sinner entführte die Zuhörer in seiner Eigenschaft als Rundfunkrat und
Vorstand des Medienclubs München in eine virtuelle Welt, von der zweidimensionalen in die
dreidimensionale Demokratie, der Ausschaltung der klassischen Medien, Mobilisierung der
Massen – wie beim Wahlkampf von Barak Obama – bis hin zu Revolutionen in den
arabischen Ländern. Mit dem Internet ist „das Wissen der Welt nur einen Mausklick entfernt“.
Ein Wermutstropfen ist der Jugendschutz, der im Internet nicht sicher funktioniert oder
kontrolliert werden kann. Hier ist die Elternverantwortung gefragt. Eltern würden „auch nicht
auf die Idee kommen, eine Flasche Whiskey ins Kinderzimmer zu stellen. Sie sollten wissen,
welche Medieninhalte ihre Kinder konsumieren“, erläutert Sinner.
Thorsten Schwab, Bürgermeister und Onlineredakteur, referierte über die richtige
Anwendung und über Einstellmöglichkeiten der Facebook-Nutzung. Häufig werden die ABGs
überhaupt nicht gelesen. Man kaufe die Katze im Sack. „Die Hemmschwelle, etwas ins Netz
zu stellen, wird immer niedriger. 25 Prozent der Bevölkerung nutzen Soziale Netzwerke,
davon sind aber 95 Prozent im Alter von 14 bis 24 Jahren. Für die Wirtschaft werden
Jugendliche zu einem Konsumfaktor im Netz“, weiß Thorsten Schwab.

Was ist eine Cyberbeziehung?
Von einem Fragebogenprojekt an der Mittelschule berichtete die Schulsozialarbeiterin
Stefanie Roll. Die Aussagen der Untersuchung bestätigen die Trends. Stefanie Roll berät
und unterstützt Jugendliche, die negative Beziehungserfahrungen in den Netzwerken hatten.
Kinder und Jugendliche für die Gefahren im Internet sensibilisieren, ist das Ziel. „Das Internet
muss als ein realer Teil im Leben der Kids wahrgenommen werden“, erklärt Roll.
Simon Schütz, Sozialarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, erstellte die empirische Studie
„Wie nutzen Schüler die Medien überhaupt?“ an einem Würzburger Gymnasium. Schüler der
6. und 7. Jahrgangsstufe nutzen das Internet zwei bis drei Stunden und spielen zusätzlich
zwei bis drei Stunden täglich am PC. Nach seinen Recherchen wissen die Eltern viel zu
wenig über die Internet- und Spieleaktivitäten der untersuchten Klasse. Obwohl
Gymnasiasten viel stärker durch die Schule gefordert werden, ist die Internetnutzung sehr
hoch. „Die Eltern müssen wach gerüttelt werden, und mehr Interesse für die Aktivitäten der
Kids im Internet zeigen. Ausgebildete Medienpädagogen sind leider Mangelware“, lautet das
Fazit von Simon Schütz.

Internetnutzer als Konsument
Andreas Griebel, Dozent an der Uni Würzburg, erläuterte „Die Recherche nach den eigenen
Daten“. Plastisch führte er den Teilnehmern vor Augen, wie es möglich ist, mit wenigen
Mausklicks scheinbar anonyme Internetnutzer zu identifizieren. „Inzwischen ist nahezu jeder
irgendwie im Netz aufspürbar“, veranschaulicht Gabriel. Durch geschickte Filtertechniken
können Profile erstellt werden, die besonders für Kundenwerbung und lukrative Geschäfte
eingesetzt werden.

Medienkompetenz
Der Medienbeauftragte des Bezirks Unterfranken, Lambert Zumbrägel, stellt den „Umgang
mit Sozialen Netzwerken & Online Chat“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die
Datenflut hat zu einer Beschleunigung der Gesellschaft geführt. Medienerziehung muss
bereits in der Familie stattfinden. Dort wo Wissen vermittelt wird, muss auch auf die
Gefahren aufmerksam gemacht werden. Ein Schutz kann nur durch Bildung erreicht werden.
Die Politik ist oft machtlos. „Nur schlaue Menschen können das Internet auch klug benutzen.“

Die Teilnehmer waren sichtlich zufrieden und wünschten eine noch breiter angelegte
Informationskampagne für alle Erziehungsbeteiligten. Kreisjugendpfleger Bernhard Metz
forderte die Politiker auf, dieses wichtige Thema aufzugreifen und in den Gremien
lösungsorientiert zu diskutieren.

Quelle: Pressestelle im Landratsamt Main-Spessart

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