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Markt Schierling: Ältestes Schulhaus Deutschlands wird saniert

Pressemeldung vom 9. Februar 2010, 10:59 Uhr

Sehr günstige Finanzierung sicherte große Mehrheit im Marktgemeinderat
Nach jahrelangen Planungen und Beratungen wird jetzt das älteste Schulhaus Deutschlands im Rahmen des
Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ gründlich saniert. Das 400 Jahre alte denkmalgeschützte Gebäude wird künftig Stützpunkt der „Schierlinger Gennßhenkher“, wird von diesen mit innovativen Ideen gespeist und bekommt damit eine besondere kulturelle Bedeutung. Nach dem Willen von Bürgermeister
Christian Kiendl soll es in einem touristischen Konzept eine wichtige Rolle spielen.
Der Marktgemeinderat hatte sich bereits im Sommer 2008 den Zustand und die geplanten Maßnahmen im Detail vorstellen lassen. Nach „harter Arbeit“, wie Bürgermeister Kiendl versicherte, konnte jetzt ein Finanzierungskonzept vorgelegt werden, nach dem mit mehr als 80 Prozent Zuschüssen zu rechnen ist. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes sind auf 827000 Euro und die der Straße sowie der angrenzenden Treppenanlage und der Vorfeldgestaltung auf 208 000 Euro geschätzt.
Architekt Michael Nadler betonte, dass sich die Bausubstanz mittlerweile in einem „bedauerlichen Zustand“ befindet. Überall dringt Wasser in das Gebäude ein und es bestehe „dringender Handlungsbedarf für die Sicherheit“, so Nadler. Es handle sich um ein Zeugnis der Vergangenheit, das ursprünglich 1608/1609 errichtet und um 1700 gemauert aufgestockt
wurde. „Es gibt keinen rechten Winkel und keine Wasserwage, weil es krumm geworden ist im Laufe der Jahrhunderte“, so der Architekt. Es gebe aber noch Originalputze aus der Barockzeit sowie bemalte und geschnitzte Holzteile.
Bürgermeister Christian Kiendl erinnerte daran, dass Schierling vor 400 Jahren eine „bildungspolitische Perle“ gewesen ist. Denn schon 200 Jahre vor der allgemeinen Schulpflicht und zu einer Zeit, als die meisten anderen Gemeinden zu arm gewesen sind, hat sich Schierling bereits Schulhaus und Lehrer geleistet. Er führte dies nicht zuletzt auf das Wirken der Jesuiten in Schierling zwischen 1645 und 1773 zurück. „Die einmalige Historie des Schierlinger Schulwesens und die Geschichte des Gebäudes am Hang neben der Kirche sind eindeutig Verpflichtung für uns!“, appellierte er an die Markträte. Mit der Sanierung werde den Kindern die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Ehrfurcht vor den Lebensleistungen der Vorfahren, „denen es objektiv nicht so gut gegangen ist wie uns heute“, ein Zeichen gesetzt. Die Sanierung soll innerhalb
von drei Haushaltsjahren abgewickelt werden, wobei der Markt nach Kiendl aus eigenen Mitteln im Jahr 2010 80000 Euro, 2011 100000 Euro und 2012 20000 Euro einplanen muss. „Das packen wir, wenn wir es wirklich wollen!“, machte er klar, ohne die derzeit missliche Situation der Gemeindefinanzen zu verkennen. Kiendl versicherte, dass unter dieser
Maßnahme kein anderes Projekt leiden muss.
Das älteste Schulhaus Deutschlands
Im Jahre 1981 haben Hans Hartl und Heinrich Merz in einem Buch behauptet, das 1666 – 1670 im niederbayerischen Simbach bei Landau gebaute Schulhaus sei die „älteste Volksschule Deutschlands“. Ortsheimatpfleger Georg Schindlbeck hat schon vor vielen Jahren dagegen gesetzt, dass bereits 1640 der damalige Kelheimer Rentmeister und 1645 Pfarrer Reiffenstuehl von einer Schule in Schierling berichten. Diese Schule überdauerte sogar die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Schulpflicht. Die allgemeine Schulpflicht vom 6. bis 12. Lebensjahr wurde in Bayern am 23. Dezember 1802 eingeführt. Aufgrund außerordentlichen Weitblicks der Verantwortlichen gab es in Schierling schon 200 Jahre vorher eine Schule, die nach alten Quellen von bis zu 170 Kindern besucht wurde. Jesuiten. Insbesondere der Einfluss der Straubinger Jesuiten führte Schierling in der Folge zur Blüte. Sie bauten das Schloss aus, errichteten die Dorfmühle und erneuerten die Brauerei. Die Professoren verbrachten in Schierling ihre Sommerfrische und trugen wesentlich zur Horizonterweiterung der Bevölkerung bei – bis der Orden 1773 von Papst Clemens XIV. aufgehoben wurde. Kosten. Die Gebäudesanierung ist auf 827000 Euro veranschlagt. Für die Neugestaltung des Umfeldes sind aufzuwenden 60000 Euro für die Außen-Treppenanlage, 38000 Euro für die Freiflächengestaltung und 110000 Euro für die Straße „Hundsmarkt“.
Zuschüsse. Für beide Maßnahmen zusammen kommen aus dem Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ 559000 Euro, von der Bayerischen Landesstiftung 100000 Euro, Landkreis Regensburg 89500 Euro, Bezirk Oberpfalz 40000 Euro und Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege 15000 Euro, so dass auf den Markt gut 230000
Euro entfallen. Heizung. Die Beheizung des Gebäudes mit Pellets verursacht rund 14000 Euro höhere Kosten gegenüber einer Gastherme. Dr. Kindler hielt die umweltfreundliche CO2-neutrale Energie für die richtige.
Nutzungskonzept.Geplant sind vom Verein für Heimatpflege „gelebte Geschichte“ mit historischen Unterrichtsstunden, Lehrgänge für den Umgang mit Federkiel und Ausstellungen. Außerdem sollen die Räume ebenso für Veranstaltungen und Ausstellungen anderer Vereine, wie Foto- oder Hobbyausstellungen, zur Verfügung stehen.

Quelle: Markt Schierling

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