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Regensburg: Bauernparlament – Landrat und Ortsobmänner des BBV tauschten sich aus

Pressemeldung vom 11. Juni 2012, 12:38 Uhr

Wo die Landwirte der Schuh drückt

Regensburg. (RL) Beim Treffen mit den Ortsobmännern des Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landratsamt hob Landrat Herbert Mirbeth die Bedeutung der Landwirtschaft hervor. „Sie repräsentieren mit ihren landwirtschaftlichen Flächen und dem Wald 87 Prozent der Fläche unseres Landkreises“, so der Landrat: „Sie sind das Bauernparlament – der jährliche Meinungsaustausch mit Ihnen liegt mir besonders am Herzen.“

Im Rahmen des dreistündigen Gesprächs zusammen mit Kreisobmann Johann Mayer und den rund 70 Ortsobmännern und Vertretern aus der Verwaltungsspitze des Landratsamts kamen unter anderem Interessenkonflikte zwischen der Landwirtschaft und Freizeitgesellschaft, Probleme mit dem Biber, den Graugänsen und den Wildschweinen sowie bürokratische Hürden, der Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden und die Verkehrspolitik zur Sprache.

GPS-Schnitzeljagd und andere Freizeitaktivitäten

Kreisobmann Mayer hatte eine ganze Liste mit Themen zum Gespräch mitgebracht. Er erklärte, dass die Fluren immer mehr von der Freizeitgesellschaft in Anspruch genommen würden. Oft käme es deshalb zu Problemen z.B. wenn Feldzufahrten zugeparkt würden oder wenn Flur- und Radwege gemeinsam von Landwirten und Radfahrern genutzt würden. „Viele Radfahrer meinten, es handelt sich nur um einen Radweg, auf dem der Landwirt nichts zu suchen habe“, so Mayer. Hier warb der Kreisobmann um mehr Rücksichtnahme gegenüber den Landwirten. Ein weiteres Phänomen sei Geocaching, eine Art Schnitzeljagd mit dem GPS durch Wälder und Fluren. Diese GPS-Schatzsucher würden sich auch weit ab von Wanderwegen begeben und man müsse beispielsweise bei der Waldarbeit aufpassen, damit man niemanden Schaden zufüge. Landrat Mirbeth plädierte für einen Kompromiss zwischen Landwirten, Freizeitsportlern und Naturschützern. „Wir versuchen diesen Kompromiss auch beim Labertalradweg zu finden. Allerdings bedeute ein Kompromiss auch, die Interessen der anderen zu sehen und teilweise darauf einzugehen“, so Mirbeth.

Biber, Graugänse und Wildschweine

Außerdem informierte Mayer über die Zunahme von Wildtieren, wie Biber, Graugänse und Wildschweine, die bei den Landwirten teilweise erheblichen Schaden anrichten würden. Mehrere Ortsobmänner erläuterten, dass die Biber Ackerflächen unterhöhlten, die Graugänse entlang der Gewässer die Felder leer fressen würden, dass die Wildschweinpopulation stark anwachsen würde und dass man aufgrund des Verbisses oft nur unter Schwierigkeiten junge Bäume in die Höhe bringen könne. Hier forderten die Vertreter des BBV Lösungen. Mayer riet den Landwirten, einen Biberschaden immer sofort dem Landratsamt zu melden: „Sonst sind die Fristen abgelaufen und Sie erhalten keine Entschädigung mehr“. Der Landrat erklärte, dass man im Landkreis ein Bibermanagement initiieren wolle. Die Grundlage hierfür gebe es seit kurzem durch das Ministerium. „Bei der Konzeption wollen wir auch die Vertreter des BBV mit einbinden“, so Mirbeth. In Sachen Graugänse, Wildschweine und Verbiss an jungen Bäumen riet Karl Frank, Sachgebietsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, den betroffenen Landwirten dazu, sich direkt an die Jagdpächter oder Vorsteher zu wenden. Diese könnten dann im Rahmen der Abschusspläne Jagdschwerpunkte in den betroffenen Gebieten setzen.

Von der Schwierigkeit, einen Mähdrescher anzumelden

Allgemein kritisierte Mayer, dass die bürokratischen Hürden für die Landwirte immer höher würden und die Gesetze immer komplizierter. „Man muss den Menschen erklären, was in den Gesetzen stehe und damit gemeint sei“, so die Bitte des Kreisobmanns an das Landratsamt. Konkret wurden Josef Zimmerer und Otto Obermeier, die am Beispiel eines Mähdreschers schilderten, wie viel Bürokratie mit der Anmeldung verbunden sei. Zuerst müsse man damit zum TÜV, dann zur Regierung und dann noch zum Landratsamt, bevor man ein überbreites Fahrzeug nutzen dürfe. Karl Remling, Sachgebietsleiter für Verkehrswesen, bestätigte, dass die Regierung zunächst grundsätzlich genehmige, dass man das Fahrzeug nutzen dürfe. Das Landratsamt genehmige dann, dass man das Fahrzeug auf der Straße fahren dürfe. „Wenn man wegen einem Mähdrescher zur Regierung muss, stimmt etwas nicht“, zeigte sich Mirbeth erstaunt. Der Landrat will die Schilderungen zum Anlass nehmen, eine Änderung der Verordnung beim Ministerium zu fordern. Der Landrat wies aber auch darauf hin, dass das Landratsamt eine Doppelfunktion ausübe und nicht nur als Kreisverwaltung, sondern gleichzeitig auch als „verlängerter Arm des Staates“ fungieren müsse. „Wir sind hier Dolmetscher und müssen abstraktes Recht lebensnah übersetzen“, erklärte Mirbeth.

Baustoff Holz und Verkehrspolitik

Aber nicht nur die Landwirte, sondern auch der Landrat hatte Anregungen an die Landwirte im Gepäck. Im Hinblick auf den verstärkten Einsatz von Blech beim Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden verwies der Landrat auf das vom Landkreis forcierte „Holzmanagement“ und erklärte: „Wenn Sie als Bauern schon kein Holz verwenden, wie sollen wir dann den Siedlern den regionalen Baustoff Holz vermitteln“. Darüber hinaus sprach Mirbeth die Verkehrsprobleme im Großraum Regensburg an und kritisierte die Abschottungspolitik der Stadt Regensburg im Bezug auf die Brückenfrage. Zur R 30 erklärte der Landrat, dass man beim Grundstückserwerb den betroffenen Bauern einen fairen Preis für die Flächen anbiete. Zum Abschluss appellierte Mirbeth an die Landwirte sich bei den bevorstehenden Kommunalwahlen nominieren zu lassen. „Dann können Sie die Belange der Landwirtschaft auf diese Weise in möglichst vielen Gemeinderäten vertreten und aktiv an Lösungsvorschlägen mitarbeiten“, so der Landrat.

Quelle: Landratsamt Regensburg – Pressestelle

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