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Regensburg: Demenzfreundliche Gemeinde – ein Thema, das alle etwas angeht

Pressemeldung vom 28. März 2017, 15:48 Uhr

Demenz rückt aufgrund der demographischen Situation immer mehr ins Blickfeld von Politik und Kirche. Weil vor Ort bedarfsgerechte Versorgungsangebote oftmals fehlen und in Gemeinden Rahmenbedingungen dafür erst noch geschaffen werden müssen, versucht die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz im Landkreis Regensburg mit dem 3. Fachtag Demenz unter dem Motto „Die demenzfreundliche Gemeinde“ bei den Kommunen den Blick für die Lebenssituation von Demenzkranken und deren Angehörigen zu schärfen. Vor 138 Teilnehmern, die sich im Bildungshaus der Diözese Regensburg auf Schloss Spindlhof in Regenstauf eingefunden hatten, bezeichnete Landrätin Tanja Schweiger in ihrer Begrüßung das Thema Demenz als Herausforderung, das ein Zusammenwirken verschiedener Akteure notwendig mache und nannte hier Verwaltung, Gewerbe, Wohlfahrtsverbände, Nachbarschaftshilfevereine, Mehrgenerationenhäuser, Ehrenamtliche und soziale Initiativen. Sie lobte Initiativen, die sich flankierend und unterstützend bilden wie die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz.

Als Zentrum der bayerischen Demenzstrategie stellte Dr. Bernhard Opolony, Leiter der Abteilung Pflege und Prävention im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, die fünf Leitziele Bewusstseinswandel, Lebensqualität, Teilhabe, Versorgung und Selbstbestimmung, vereint unter dem Kernsatz „Festhalten, was verbindet“, vor. Eingebunden darin sind zehn Handlungsfelder, wovon laut Opolony das vierte besonders interessant ist. Hier geht es darum, die Lebensqualität Betroffener und ihrer Angehörigen in der Heimatgemeinde zu verbessern, indem zum Beispiel in den noch zu schaffenden demenzfreundlichen Gemeinden stundenweise Betreuungsangebote zur Entlastung aufgebaut werden.

Neben Handlungsfeld Nummer fünf, die „Stationäre Versorgung im Krankenhaus“, auf das Pflegeexperte Claus Fussek später in seinem Vortrag einging, war Handlungsfeld acht für die Teilnehmer des Demenztags besonders interessant. Hier ging es um die „Vernetzung“ und um „kommunale Strukturen“, ein Handlungsfeld, das die Regensburger Lokale Allianz für Menschen mit Demenz bearbeitet. Der Landkreis arbeitet hier mit verschiedenen Kooperationspartern zusammen.

Seniorennetzwerk Kümmersbruck als Vorbild

Carola Dirschka informierte im Anschluss daran über den Aufbau des ehrenamtlich getragenen, aber von der Kommune unterstützten Seniorennetzwerkes Kümmersbruck (Landkreis Amberg-Sulzbach). Mit ihrer Leidenschaft für die Sache überzeugte sie Bürgermeister und Verantwortliche in den Ortsgremien und schaffte es so, ein in der Gemeinde anerkanntes und breit getragenes Netzwerk zu gründen, in dem die Teilhabe dementer Menschen ganz „selbstverständlich“ abläuft. Davon zeugt das Logo des Vereins: ein von vielen Händen gehaltenes Netz. Der Verein „Seniorennetzwerk Kümmersbruck“ könne sich laut Dirschka dank Spenden und Verkaufserlösen selbst finanzieren und ein Plus erwirtschaften. Weitere Infos unter www.seniorennetzwerk-kümmersbruck.de

Martin Richter von der AOK Regensburg zeigte in seinem Vortrag Änderungen in der Pflegeversicherung infolge des „Pflegestärkungsgesetzes II“ auf. Die wesentlichsten Veränderungen wirken sich aus im Pflegebegriff, in den Pflegegraden sowie den erhöhten finanziellen Möglichkeiten für Betroffene. Grundlage dafür sei ein neues Begutachtungsinstrument. Die Pflegebedürftigkeit wird neu in fünf Pflegegraden abgebildet. Sie orientiert sich laut Richter an der Fähigkeit, den Alltag selbständig zu bewältigen. Weitere Infos dazu unter https://www.aok.de/inhalt/pflegestaerkungsgesetz-ii/

Der renommierte Pflegeexperte Claus Fussek griff in seinen einführenden Worten das Engagement von Carola Dirschka als exzellentes Beispiel für die Bildung eines funktionierenden kommunalen Netzwerkes auf und überreichte dem „Schutzengel“ des Netzwerkes ein Abbild des „Himmelsboten“ als Anerkennung. Wären mehr Menschen mit dieser zupackenden Art in den Gemeinden tätig, „hätte Deutschland kein Problem mit der Pflege – weder im Heim noch zu Hause“, weil dann der Mensch im Mittelpunkt stünde.

„Pflegt so, wie ihr einmal gepflegt werden wollt!“

Damit das so bleibt, sieht Fussek die Verantwortlichkeit für die Pflege bei allen Menschen („Sie alle sind betroffen!“) und mahnte für die demenzfreundliche Gemeinde genauso ehrenamtliches Engagement an wie dies für die Flüchtlinge geschehen sei. Dieses Engagement für die Flüchtlinge habe für ihn Vorbildcharakter. Als Problem kristallisiert sich für ihn die Situation dementer Menschen im Krankenhaus heraus, wo diese oft allein gelassen seien. „Kämen Sie etwa auf die Idee, Ihr Kind allein in die Notaufnahme eines Krankenhauses zu schicken?“, fragte er in die Runde.

Ihm ist es wichtig, Pflegende aus ihrer „Lethargie“, Angst und Unsicherheit herauszureißen und ihnen Mut zur Ehrlichkeit zu machen. Als Anwälte der zu Pflegenden sollen durch sie Dinge aus der Pflege, die nicht so gut laufen, öffentlich gemacht und so Verantwortung übernommen werden, weil es um Menschen gehe. Er appelierte an die Pflegenden, Schutzengel für die Menschen zu sein, die keine Lobby haben aber Schutz brauchen und wies deutlich darauf hin, dass der Pflegebereich kein strafrechtsfreier Bereich sei. Er forderte sie auf, Mut zu zeigen für Veränderungen, zum Wohl ihrer Anvertrauten, auch gegen Entscheidungen der Träger, und dazu Gleichgesinnte zu gewinnen und den Bewohnern auf Augenhöhe zu begegnen. „Pflegt so, wie ihr einmal gepflegt werden wollt! Aber denkt daran: „Der Pflegealltag hat für uns nur 24 Stunden.“

Aus der engagierten Diskussionsrunde mit neun Teilnehmenden und Moderator Professor Dr. Benno Kotterba nahmen die Besucherinnen und Besucher folgendes Fazit mit: Das Thema Demenz muss auf allen Ebenen, auf wissenschaftlicher und auf praktischer, auf Staats- und Kommunalebene angegangen werden.

Kontakt: Servicestelle für Senioren und Menschen mit Behinderung, Bettina Langschwager, Tel. 0941 4009-709, E-Mail: bettina.langschwager@lra-regensburg.de KEB Landkreis Regensburg, Thomas Albertin, Tel. 0941 5 97 22 58, E-Mail: info@keb-regensburg.de

Quelle: Landratsamt Regensburg – Pressestelle

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