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Regensburg: Erinnerungen von Zeitzeugen bei Gebietsveranstaltung „40 Jahre Landkreis“

Pressemeldung vom 19. Juni 2012, 08:23 Uhr

VG Kallmünz fühlt sich im Landkreis wohl

Kallmünz (RL). Zu einer Feierstunde zum Jubiläumsjahr des Landkreises für die Eingliederungsgemeinden des ehemaligen Landkreises Burglengenfeld hatte Landrat Herbert Mirbeth am Mittwoch in den Kallmünzer Bürgersaal eingeladen. Zeitzeugen erinnerten in Beiträgen an die damalige Eingliederung der VG Kallmünz in den Landkreis Regensburg. Eröffnet wurde auch die Wanderausstellung „40 Jahre Gebietsreform“, die im Bürgersaal bis Ende Juni besichtigt werden kann.

Der Kallmünzer Bürgermeister Ulrich Brey wies darauf hin, dass nach wie vor sehr enge Verbindungen der VG Kallmünz (Kallmünz, Duggendorf und Holzheim) zu Burglengenfeld bestünden. Dort seien die weiterführenden Schulen, das Krankenhaus, Fachärzte und vor allem ein großes Arbeitsplatzangebot. Auch mache die interkommunale Zusammenarbeit an der Landkreisgrenze nicht halt. Gleichzeitig fühle man sich aber im Landkreis Regensburg sehr gut aufgehoben. Wichtig für die VG sei der Landkreis in Sachen Schulverbund Naab-Regen, dem in den letzten Jahren bestens ausgebauten ÖPNV und vor allem in Fragen des Tourismus. „Hier ist die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Regensburg hervorragend“, so Brey.

„Verwaltungsgrenzen sollen keine Gestaltungsgrenzen sein“, griff Landrat Herbert Mirbeth bei seinem Vortrag die engen Verbindungen der Naabtal-Gemeinde mit Burglengenfeld auf. Sinn der Gebietsreform sei die Steigerung der Effektivität und Wirtschaftlichkeit der Verwaltung gewesen. Das sei auf alle Fälle erreicht worden, teilweise jedoch auf Kosten der Bürgernähe. Zukünftig sieht Mirbeth weitere Reformen auf Bayern zukommen, habe der Freistaat doch immer noch die kleinteiligste Gliederung im Bund. Auf Ebene der Landkreise hält er das aus Kostengründen für vernünftig, nicht jedoch auf Gemeindeebene. Hier betrachtet er die Kleinteiligkeit als großen Schatz. Das beste Abwehrmittel, die bestehenden Kommunen zu erhalten, sei eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Die Kommune vermittle Heimatgefühl. Das könne der Landkreis nicht leisten, „aber es ist in den letzten 40 Jahren schon ein regionales Zugehörigkeitsgefühl entstanden“, betonte Mirbeth.

„Für manche Bürger in der Region war die Gebietsreform eine Tragödie, für andere eine Komödie“, begann der Kallmünzer Altbürgermeister Siegfried Bauer seinen Zeitzeugenbericht. Kallmünz sei damals vollkommen auf den Landkreis Burglengenfeld fixiert gewesen, der mit seiner hochgradigen Industrialisierung zu den reichsten Landkreisen in Bayern zählte. „Den Landkreis Regensburg kannten wir gar nicht richtig, vielleicht kannten wir noch die Gegend bis Pettendorf und Regenstauf, aber Thalmassing und Mintraching war für uns Ausland“, so Bauer.

Dennoch habe die Bevölkerung bei einer Abstimmung mehrheitlich für Regensburg gestimmt. „Ein Landkreis Burglengenfeld kam nicht mehr zustande, zu Schwandorf hatten wir keinerlei Verbindung. Da hieß es, wir gehen eben nach Regensburg, wenn dabei auch viele die Stadt Regensburg gemeint haben“, schmunzelte Bauer. Ein Glücksfall sei 1978 die Wahl Rupert Schmids zum Regensburger Landrat gewesen. „Eigentlich war er ja ein kleiner Kallmünzer, weil er hier bei der Verwandtschaft als Kind öfter die Ferien verbracht hatte. Das war nicht schlecht für uns. Er hat uns schon unterstützt – aber nicht übermäßig“, so Bauer schlitzohrig.

Ludwig Pöringer, ehemaliger Kreis- und Marktrat aus Kallmünz, gehörte zu denen, die damals für den Beitritt zu Regensburg warben. Wobei er sich noch an einen Wirt aus Schirndorf erinnerte, der nur deshalb für Schwandorf eintrat, weil er kaum Gäste aus Kallmünz, aber viele aus Burglengenfeld hatte. Wie sich durch die Kreisreform 1972 die Zusammenhänge änderten, zeigte er am Beispiel der heutigen Kreisstraße R15 Richtung Regensburg auf. Im Altlandkreis Burglengenfeld sei diese Straße, die sich in desolatem Zustand befunden habe, als „Schwammerlweg“ abgetan worden, für die der Kreistag kein Geld ausgeben wollte. Nach der Gebietsreform sei die Straße schon bis 1977 voll ausgebaut worden und stelle heute die wichtigste Verbindung nach Regensburg dar.

Wanderausstellung 40 Jahre Gebietsreform
Bis 28. Juni gastiert die Wanderausstellung „40 Jahre Landkreis Regensburg“ in Kallmünz. Sie ist im Bürgersaal des Kallmünzer Rathauses (Keltenweg 1) zu den Öffnungszeiten der VG-Geschäftsstelle (Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, dienstags von 13.30 bis 17 Uhr, donnerstags von 13.30 bis 18 Uhr) zu sehen. Außerdem ist samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Ausstellung in Kallmünz soll die Gestalt der früheren sowie das Werden der neuen Strukturen im Landkreis Regensburg aufzeigen. Auf 20 Schautafeln und einer interaktiven Videowand wird die Geschichte des Landkreises beleuchtet. Dabei besteht die Ausstellung aus zwei Modulen. Kern bildet das erste Modul, das die Geschichte des Landkreises aufzeigt. Hier wird die Reform auf Landkreisebene, ihre Vorgeschichte, die Neuordnung von 1972 und die seitherige Entwicklung beleuchtet.
Das zweite Modul beschäftigt sich mit der Gemeinde, in der die Wanderausstellung jeweils gezeigt wird. Aktuell wird hier die Situation der Beitrittsgemeinde Kallmünz und die Entstehung der VG Kallmünz (Kallmünz, Duggendorf und Holzheim am Forst) beleuchtet sowie ein Blick auf den Altlandkreis Burglengenfeld geworfen. Dieses regionale Modul hat der Kallmünzer Ortsarchivpfleger Bruno Gallhuber gestaltet.
Die auf Initiative von Landrat Herbert Mirbeth erstellte Wanderausstellung wurde eng mit der Kreisarchivpflege und den 22 Gemeinden des Landkreises abgestimmt, in denen die Ausstellung zu sehen war oder sein wird.

Quelle: Landratsamt Regensburg – Pressestelle

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