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Regensburg: Sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen – Landkreisweite Aktion in Regenstauf

Pressemeldung vom 2. Dezember 2015, 10:30 Uhr

Regensburg (RL). Zum insgesamt 15. Mal wurden am vergangenen Mittwoch die Terre-des-Femmes-Fahnen am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen vor dem Landratsamt Regensburg sowie in fast allen Gemeinden des Landkreises Regensburg gehisst. Sie stehen für „Nein zu Gewalt an Frauen – frei leben ohne Gewalt“. Begleitet haben diesen feierlichen Akt am Mittwoch abend in Regenstauf vor dem Rathaus Landrätin Tanja Schweiger, Regenstaufs Bürgermeister Siegfried Böhringer sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Maria-Luise Rogowsky, die diesen Abend auch organisiert hatte.

„Es gehört zu den Grundrechten der Menschen, ein Leben in Frieden und Freiheit führen zu können“, sagte Bürgermeister Siegfried Böhringer, „und diesen Anspruch wollen wir gemeinsam umsetzen“. Landrätin Tanja Schweiger nannte anschließend Zahlen, die bedrücken. So werden jährlich in Stadt und Landkreis circa 400 Fälle häuslicher Gewalt von der Polizei registriert. Doch dies sei nur ein geringer Teil der Beziehungstaten. Denn nicht alle Frauen, die Opfer von Gewalt werden, würden dies bei der Polizei anzeigen. Sie wies auf eine Schätzung der Frauenhäuser hin, nach der nur etwa ein Drittel der häuslichen Gewaltdelikte aktenkundig sind, so dass von mehr als tausend Fällen im Jahr auszugehen sei.

Nur 20 Prozent der Frauen, die Gewalt erfahren, würden die bestehenden Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen nutzen, so die Landrätin weiter. Deshalb sei es der Gleichstellungsstelle ein wichtiges Anliegen, die Bürgerinnen und Bürger über diese Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen zu informieren und die Öffentlichkeit mit dieser Fahnenaktion für dieses Tabuthema zu sensibilisieren.

Im Großen Sitzungssaal im Rathaus Regenstauf gaben im Anschluss daran Fachexperten Auskunft über Hilfsangebote zum Thema häusliche Gewalt. „Im eigenen Heim, das eigentlich ein Ort der Sicherheit sein sollte, leben die betroffenen Frauen am gefährlichsten. Weltweit ist dies so, auch in Deutschland und vor unserer Haustüre“, bekräftigte Maria-Luise Rogowsky.

Maria Simon, die Vertreterin des autonomen Frauenhauses, verdeutlichte, dass es bei Gewalt an Frauen nicht nur um körperliche Gewalt gehe: „Auch sexuelle Nötigung sowie psychische Verletzungen bringen die Betroffenen in diese menschenverachtende Situation.“ Simon wies auch darauf hin, dass Partnergewalt überall vorkomme. Bildung, Einkommen, Alter, Religion und Kultur seien dabei völlig bedeutungslos.

Die Angebote der Hilfsorganisation sind vielfältig. Die beiden Frauenhäuser bieten den Betroffenen eine anonyme Unterkunft, bis sie wieder so stabil sind, um eine eigene Wohnung zu beziehen. Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren mussten oder in ihrer Kindheit Opfer von sexualisierten Übergriffen wurden, können durch den Frauennotruf Beratung, Begleitung oder durch Selbsthilfegruppen Unterstützung bekommen. Der Weiße Ring hilft den Betroffenen durch Begleitung z. B. bei Gericht und kann für einen Ausgleich bei finanziellen Nachteilen sorgen. Wer Opfer einer Gewalttat geworden ist, hat die Möglichkeit, durch das Opferentschädigungsgesetz versorgt zu werden. Hier ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales zuständig. Auch an jeder

Polizeiinspektion gibt es eigene Ansprechpartner, die über rechtliche Verfahren und beim Erstatten einer Anzeige behilflich sind. Wichtig sei vor allem, dass sofort geholfen werde.

Auf das bundesweite „Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen“, wies Maria-Luise Rogowsky noch ergänzend hin. Egal, ob von zuhause, von unterwegs oder in einer akuten Situation – Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, können unter Telefon 00888 116 016 und über die barrierefreie Webseite www.hilfetelefon.de kostenfreie anonyme Hilfe erhalten.

Die Anlaufstellen:
Autonomes Frauenhaus, Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen und bei Trennungskonflikten, Telefon 09401/24000 – Tag und Nacht – www.frauenhaus-regensburg.de

Frauen- und Kinderschutzhaus, Sozialdienst katholischer Frauen, Telefon 0941/562400 (Tag und Nacht), www.skf-regensburg.de

Frauennotruf Regensburg e. V. bei sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen, Telefon 0941/24171, www.frauennotruf-regensburg.de

Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder, Telefon 0941/5061333, www.polizei.bayern.de

Zentrum Bayern Familie und Soziales, Opferentschädigung, Telefon 0941/78093106, www.zbfs.bayern.de

Weißer Ring, Hilfe für Gewaltopfer, Telefon 0941/75493, www.weisser-ring.de

 

Quelle: Landratsamt Regensburg – Pressestelle

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