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Sonthofen: Alpen, Hirten und Sennen im Heimathaus Sonthofen

Pressemeldung vom 4. Juni 2012, 10:14 Uhr

Alljährlich zwischen Mitte Mai und Mitte Juni beginnt mit der Alpfahrt der Alpsommer in den Allgäuer Bergen. Während heute viele Alpen auf Fahrwegen gut erreichbar sind, mussten früher die Hirten, Hütebuben und Sennen Tiere zusammen mit allem Nötigen auf die Alpe schaffen: Salz und Kleie, Geschirr und Bettzeug, die Hausapotheke für Mensch und Tier, Kleidung und Bibel, Rauch- und Schnupftabak, Kaffee, Zucker, Enzianschnaps, der große Käskessel, Käsetücher, Äxte, Sensen, Rechen. Was groß und sperrig war, wurde auf einen einachsigen Krotten geladen; im steilen Gelände musste alles – selbst der Käskessel – getragen werden.

Im September endete der Alpsommer mit dem Alpabzug und dem Viehscheid. Dazwischen lagen rund 100 Tage voller Arbeit, karg und entbehrungsreich, weit ab der Familie. Auf der Alpe hatte nicht jeder ein Bett, die Hütebuben schliefen meistens im Heu; auch hatte kaum einer der Hütebuben Schuhwerk. Das Essen war fett und ohne große Abwechslung, aber schmackhaft.

Auf den Sennalpen begann der Tag um fünf Uhr. Der Käse musste gesalzen und gewendet, die Milchkühe zum Melken in den Stall gebracht und die neue Milch zu Käse verarbeitet werden. Stall und Käselokal waren zu reinigen und Wege und Zäune in Schuss zu halten. Lediglich am frühen Nachmittag gab es ein bis zwei Stunden Verschnaufpause.

Kein Tier ohne Glocke oder Schelle. So ist es auch heute auf den Alpen und jeder Bergwanderer kennt das harmonische Klangbild einer grasenden Herde. Glocken, im Allgäu üblicherweise Schellen, halfen den Älplern seit jeher, ihre Tiere im unwegsamen Gelände, bei Dunkelheit oder Nebel, zu finden. Außerdem waren sie Schmuck und sollten Böses fernhalten. Ist der Alpsommer ohne Unfälle verlaufen, so geht noch heute die schönste Kuh, die Kranzkuh, herausgeputzt mit Kopfschmuck und einer Zugschelle mit prachtvoll verziertem Riemen, der Herde voran ins Tal.

Im Heimathaus Sonthofen erzählt die Dauerausstellung vom abgeschiedenen Leben und harten Arbeiten auf den Alpen. Historische Fotografien verdeutlichen, wie karg das Leben dort oben war, aber auch fröhliche und gesellige Momente kannte. Wie der Emmentaler ins Allgäu kam und wie Käse überhaupt hergestellt wurde, erfährt der Besucher ebenso, wie alles Wissenswerte über die weit über die Grenzen hinaus bekannten Sonthofer Viehmärkte, die bis ins 20. Jahrhundert statt fanden und wo das robuste Allgäuer Braunvieh bis nach Italien und Schweden verkauft wurde.

Quelle: STADT SONTHOFEN – Fachbereich Sport/Veranstaltungen

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