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Wasserburg a. Inn: Museum Wasserburg – Was wirklich geschah

Pressemeldung vom 2. September 2013, 15:34 Uhr

Die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs in Wasserburg

Neue Erkenntnisse und eine Zusammenschau der Ereignisse zum Dreißigjährigen Krieg in und um Wasserburg in schriftlicher Form liefert die Bachelorarbeit von Manuel Schwanse. Der junge Wissenschaftler vergleicht darüber hinaus die Situation in Wasserburg mit derjenigen der Städte Rosenheim, Mühldorf und Trostberg. Für eine Schutzgebühr von 5,- € kann das Werk ab sofort erworben werden.

Der Dreißigjährige Krieg traf Wasserburg zweimal. Als 1632 der schwedische König Gustav II. Adolf die Residenzstadt München kampflos einnahm, wurde es auch für Festungsstadt am Inn knapp. Die Schweden hatten es auf die Innbrücke abgesehen, die die geradewegs in den Chiemgau und somit nach Salzburg und Wien führte, wo der Bayerische Kurfürst und der Deutsche Kaiser saßen. Nur der Einfall Wallensteins in Sachsen zwang den Schwedenkönig zum Rückzug, der fürchtete, dadurch vom Nachschub abgeschnitten zu werden. Bis zur siegreichen Schlacht bei Nördlingen, bei der die Schweden 1634 aus Süddeutschland vorerst vertrieben werden konnten, wurde Wasserburg zur Garnisonstadt, die die Einquartierung und den Durchzug tausender Soldaten, deren Trossangehörige und Pferde ertragen musste.

Mit dem Eintritt Frankreichs in den Krieg wurde die Situation erneut gefährlich.

1648 standen Franzosen und Schweden gemeinsam vor den Toren der Stadt und bedrohten Kurfürstentum und Kaiserreich. An dieser Stelle hätte die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs noch eine Wendung nehmen können. Zeugen des Kampfs um Wasserburg waren der Dichter Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und der Zeichner und Kupferstecher Caspar Merian, die dafür sorgten, dass dieser Moment des Kriegs in Literatur- und Kunstgeschichte eingingen.

Der Waldkraiburger Manuel Schwanse beschäftige sich erstmals in einem Seminar zu bayerischer Landesgeschichte bei Prof. Dr. Ferdinand Kramer an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Geschichte Wasserburgs zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Dabei erfuhr er, dass sich die bisherigen Auswertungen der Archivalien des Stadtarchivs Wasserburg in erster Linie auf die Ratsprotokolle dieser Zeit beschränkte und nur partiell Rechnungsbücher und Akten einbanden. Eine umfangreiche Akte zum Kriegsgeschehen 1632 bis 1634 war bisher kaum beachtet worden. Sie enthält vor allem die Korrespondenz der Stadt mit dem Kurfürsten, Einquartierungslisten und Beschwerden der Bürger und gibt so einen einmaligen Einblick in die Zeit des Kriegs, das Alltagsleben in der Stadt und die Sorgen und Nöten der Menschen. Schwanse wertete in mühevoller Kleinarbeit diese Akte aus und konnte so neue Erkenntnisse gewinnen. Er war nun in der Lage herauszuarbeiten, wie sich das komplexe Kriegsgeschehen in Europa auf das Leben der Menschen in einer altbayerischen Kleinstadt auswirkte und was vor Ort wirklich geschah. Anschließend verband er erstmals die Ereignisse der ersten Kriegsphase von 1632 bis 1634 mit denen der Jahre 1636 bis 1648. Zudem konnte er unter Zuhilfenahme von bisherigen Studien zur Lebenswirklichkeit der Frühen Neuzeit eine Bewertung der Ereignisse vornehmen und beschreiben, wie sich die Folgen des Kriegs auf die Stadt und ihr Umland in den nachfolgenden Jahrzehnten auswirkten. Gerade in der Zusammenschau mit anderen Städten des Chiemgaus entsteht so ein scharfes Bild von der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs in unserer Region.

Die Bachelorarbeit entstand in den Monaten April bis Juli 2013 und wurde im Rahmen des städtischen Geschichtswettbewerbs mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die Jury bewertete die Arbeit aufgrund ihres vergleichenden Ansatzes, der Arbeit mit Originalquellen und der hervorragenden sprachliche Qualität einstimmig als herausragend und entschloss sich zum Druck des Werkes. Das 80 Seiten umfassende und mit Illustrationen aus Stadtarchiv und Museum versehen Buch kann am Eingang zum Festspielgelände am Inndamm, im Kartenvorverkaufsbüro in der Bruckgasse, im Stadtarchiv und im Museum Wasserburg erworben werden. Die von Schwanse bearbeiteten Quellen sind in Auszügen in der aktuellen Sonderausstellung „Einquartiert! Der 30-jährige Krieg in Wasserburg“ bis zum 27.10.2013 im Museum zu sehen und als Quellenarbeitsheft für Schulklassen unter dem Titel „Geschichte in deiner Hand“ vom Stadtarchiv Wasserburg herausgegeben worden.

Quelle: Museum Wasserburg

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