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Weilheim-Schongau: EHEC-Infektionen nehmen im Landkreis zu

Pressemeldung vom 8. Juli 2015, 10:38 Uhr

Die Abkürzung EHEC steht für Enterohämorrhagischer Escherichia coli. Coli-Bakterien sind natürliche Bewohner des Darmes von Mensch und Tier. Die Gruppe der EHEC-Erreger innerhalb der Coli-Bakterien ist gekennzeichnet durch die Bildung von Zellgiften, den sogenannten Verotoxinen und andere für den Menschen krankmachende Faktoren. Sie können schwerste Erkrankungen, wie z.B. akutes Nierenversagen verursachen.

„Seit dem letzten Jahr wurden dem Gesundheitsamt im Landratsamt Weilheim-Schongau 25 EHEC-Fälle gemeldet, davon sechs im Juni 2015. Dabei handelt es sich ausschließlich um Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren, bei einem Mädchen trat auch die schwere Folgeerkrankung HUS auf“, berichtet Dr. Karl Breu.

EHEC-Infektionen äußern sich anfangs vor allem in Form von Durchfall, mit unterschiedlichem Schweregrad (wässriger bis blutiger Stuhl), über Leibschmerzen bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen. Hierzu gehört akutes Nierenversagen (hämorrhagisch urämisches Syndrom (HUS) aufgrund der vorausgegangenen Auflösung der roten Blutkörperchen. Die Erkrankung endet oft mit späterer dauerhafter Dialysepflicht oder zentral nervösen Störungen und Hautblutungen. Bis zu 10 % der HUS-Fälle enden immer noch tödlich. Der Mensch infiziert sich in der Regel durch die orale Aufnahme von EHEC, beispielsweise über verunreinigtes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder über einen engen Kontakt zu infizierten Menschen und Tieren über Schmierinfektionen. Da schon geringe Keimmengen für eine Infektion ausreichen ist eine Übertragung sehr leicht möglich. „Bei Kindern unter drei Jahren birgt der direkte Kontakt zu Wiederkäuern das höchste Erkrankungsrisiko, was sich auch bei unseren aktuellen Ermittlungen bestätigte“, führt der Leiter des Gesundheitsamtes weiter aus.

Als primäre Infektionsquelle des Menschen gelten vor allem Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen, die selbst nicht erkranken, den Erreger jedoch mit dem Kot ausscheiden. Dadurch können die Bakterien beispielsweise beim Schlachten oder beim Melken, auf die Lebensmittel gelangen. EHEC werden daher vor allem in rohen oder unzureichend erhitzten Lebensmitteln nachgewiesen, die vom Tier stammen wie Rohmilch, nicht ausreichend erhitztes Fleisch und streichfähige Rohwürste. Darüber hinaus kann der Erreger auch bei der Zubereitung von Speisen durch eine sogenannte Kreuzkontamination übertragen werden. Dabei gelangen die Keime von einem verunreinigten meist rohem Lebensmittel auf ein anderes. Möglich ist aber auch die indirekte Übertragung über Hände, Geräte, Arbeitsflächen, Messer oder andere Küchenutensilien.

Die effektivsten Maßnahmen zum Schutz von lebensmittelbedingten EHEC-Infektionen im Privathaushalt sind Rohmilch vor dem Verzehr abkochen, Hände vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife waschen, rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch beim Grillen. Fleisch und Hackfleisch sollten vor dem Verzehr ausreichend erhitzt, Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, dessen Verpackung oder Tauwasser gründlich gereinigt werden. Auch Lappen und Handtücher sollten nach Zubereitung von rohem Fleisch möglichst ausgewechselt und bei mindestens 60° gewaschen werden.

Bauernhöfe und Streichelzoos sind beliebte Ausflugsziele für Familien mit Kleinkindern, Kindergartengruppen und Schulklassen. Um EHEC-Infektionen durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren vorzubeugen, sollten kleine Kinder beim Umgang mit Tieren beaufsichtigt, nach dem Kontakt zu Tieren oder Erde sowie vor dem Konsum von Speisen und Getränken die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und sorgfältig abgetrocknet und Speisen und Getränke nur außerhalb der Tierställe und -gehege verzehrt werden.

Um die Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch zu verhindern ist es erforderlich auf sorgfältige persönliche Hygiene zu achten und regelmäßig die Hände zu waschen.

„Wenn Sie, trotz Beachtung der oben genannten Hygieneregeln an typischen Symptomen erkranken, wie wässriger oder blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und starke Bauchschmerzen, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen“, rät Dr. Karl Breu.

Für weitere Auskünfte stehen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt Weilheim-Schongau unter der Tel.Nr. 0881/681-1600 gerne zur Verfügung.

Quelle: Landratsamt Weilheim-Schongau

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