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Würzburg: „Kein Mensch ist perfekt“

Pressemeldung vom 28. November 2011, 14:14 Uhr

Caritasvorsitzender Domkapitular Clemens Bieber bedauert die Entscheidung des Deutschen Bundestages zur – wenngleich zunächst nur – begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID). „Kein Mensch ist perfekt“, so lautet die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes. Damit, so Bieber, soll das Bewusstsein in der Gesellschaft vertieft werden, dass jeder Mensch irgendwelche Handicaps hat. Mit der am 7.7.2011 im Bundestag beschlossenen Zulassung der PID wird aber das gegenteilige Signal gesetzt. „Die Zulassung der PID bedeutet einen Rückschlag für das Anliegen, Menschen mit schwerer Behinderung oder Krankheit in unsere Gesellschaft zu integrieren“, bedauert der Caritasvorsitzende. Bieber verweist auf den Freiburger Theologen Eberhard Schockenhoff, der es auf den Punkt gebracht hat: „Durch PID werden Menschen selektiert. Mediziner erzeugen zunächst mehrere Embryonen im Reagenzglas und untersuchen sie auf mögliche genetische Schäden, um dann einige auszuwählen. Der einzelne Embryo wird nicht mehr um seiner selbst willen geachtet, sondern einer Selektion unterworfen. Das widerspricht der Menschenwürde und dem Lebensschutz.“ Langfristig wird die jetzt – wenn zunächst auch nur in engen Grenzen – erlaubte Präimplantationsdiagnostik zur Unterscheidung zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben führen und den sozialen Druck auf Eltern erhöhen, ein gesundes Kind zeugen zu müssen. Ist ihr Kind behindert, werden sie mehr oder weniger offen mit den Kosten und der Belastung für die Allgemeinheit konfrontiert. Außerdem führt die PID zu einer folgenschweren Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Sie müssen mit dem Gedanken leben, dass sie nicht am Leben wären, hätte es zum Zeitpunkt ihrer Empfängnis die PID gegeben. Der Würzburger Domkapitular erinnert an die Neufassung des § 218 in den 1970er Jahren, die eine Abtreibung zunächst nur unter ganz eng gefassten Indikationen vorsah. Diese Regelung wurde im Laufe der Jahre immer stärker ausgeweitet, was zu mehr und mehr Schwangerschaftsabbrüchen führte. Außerdem, so Bieber, ist der größte Teil der Behinderungen, die wir vor Augen haben, nicht angeboren, sondern erst im Laufe des Lebens durch Krankheiten oder Unfälle entstanden. Es wäre fatal, Behinderte als lebensunwert abzustempeln. Die Entscheidung im Bundestag spiegelt für den Caritas-Verantwortlichen die unterschiedlichen Sichtweisen von Leben in unserer Gesellschaft. „Die Humanität einer Gesellschaft“, zitiert Bieber in diesem Zusammenhang den Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, „zeigt sich nicht daran, dass sie versucht, Behinderung, Krankheit und Leid auszumerzen, sondern daran, wie sie in solcher Erfahrung Solidarität ermöglicht und praktiziert. Wo das mehr und mehr gelingt, wird Menschlichkeit erlebbar.“ Nach wie vor muss es ein zentrales Ziel aller prägenden Kräfte in Kirchen, Politik und Medien sein, in der Gesellschaft das Bewusstsein zu profilieren, Menschen mit Behinderung nicht länger als defizitär anzusehen. Die Caritas wird weiterhin mit ihrem Beratungsangebot und ihren Hilfen betroffene Paare und Frauen begleiten und sich für eine größere Solidarität für Menschen mit Behinderung und für ihre Angehörigen einsetzen. Die diesjährige Caritas-Kampagne will dazu beitragen: www.kein-mensch-ist-perfekt.de

Quelle: Caritasverband für die Diözese Würzburg e.V.

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